Landeslabor beanstandet fast jede fünfte Probe

Landeslabor: Schafskäse aus Kuhmilch und Embryo im Frühstücksei

Gießen. Fast 27.500 Proben hat das Gießener Landeslabor im vergangenen Jahr genommen und untersucht. 4611 davon wurden beanstandet (16,7 Prozent). Getestet wurde vom Bisonfleisch bis zum Scherzartikel.

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Die 555 Mitarbeiter des Landeslabors nahmen allein 4000 Eier unter die Lupe. Auf 206 Seiten werden nun alle Ergebnisse dokumentiert. Auszüge aus dem Jahresbericht:

- Sahne: 725 Proben, 235 beanstandet (32,4%)

Beispiele: Frisch aufgeschlagene Sahne in gastronomischen Betrieben stellt ein dickes Hygieneproblem dar. Denn: Ungefähr die Hälfte des Gesamtprobenaufkommens und etwa 85 Prozent aller Beanstandungen resultierten aus diesen Untersuchungen. Gefunden wurden Staphylokokken und Salmonellen. Erfreulich: Unbeanstandet blieben dagegen alle 60 Zaziki-Proben aus Imbissbuden.

- Käse: 815 Proben, 158 beanstandet (19,4%)

Beispiele: In einem als Verbraucherbeschwerde eingereichtem Weichkäse fanden ein scharfkantiges Metallstück. In 19 Fällen ermittelten die Fahnder, dass in Schafskäse nur Kuhmilch war. Kennzeichnungsmängel sind am häufigsten. So wurden beispielsweise Phantasiebezeichnungen (Vierwaldstätterseekäse, Nibelungenkäse) anstelle der vorgeschriebenen Bezeichnungen verwendet.

- Butter: 91 Proben, sieben beanstandet (7,7%)

Beispiele: Aufgrund von Verbraucherbeschwerden gelangten fünf Butterproben einer identischen Herstellungscharge zur Untersuchung. Die Produkte wiesen jeweils einen derart stark ranzigen und käsigen Geruch auf, dass sie als verdorben zu beurteilen waren. Der Hersteller hatte eingelagerte Butter mit frischer Butter vermischt und anschließend als „Deutsche Markenbutter“ vermarktet.

- Eier: 1687 Proben, 140 beanstandet (8,3%)

Beispiele: Es ist selten, aber es kommt vor: Sichtbarer Schimmelpilzbefall oder ein angebrütetes Ei, das einen Embryo in der Größe von ca. einem Zentimeter enthielt fanden die Lebensmittelkontrolleure. Die Mehrzahl der Beanstandungen betrafen fehlende Erzeugercodes, falsche Angaben zur Gewichtsklasse) und vor allem Qualitätsmängel, also Verschmutzung und Beschädigung der Schalen.

- Wurst: 1497 Proben, 361 beanstandet (24,1%)

Beispiele: Sowohl in einer Probe Frühstückswürstchen als auch in einer Rohwurst (sogenannte Kaminwurzerl) konnten Salmonellen nachgewiesen werden. In Original Frankfurter Würstchen wurde ein Metallsplitter und in einer Probe Chili-Mettwurst ein Glassplitter gefunden. Auch fehlten vereinzelt die vorgeschriebenen Angaben über in Wurst enthaltenen Allergene.

- Fleisch: 1722 Proben, 241 beanstandet (14,0%)

Beispiele: Salmonellen in Thüringer Mett und Campylobacter in Geflügelfleisch sind keine Seltenheit. Salmonellen und Campylobacter zählen zu den häufigsten Durchfallerregern. Von 301 Proben bei Pökelwaren wurden 163 beanstandet, weil nicht drin war, was draufstand. Ein Restaurant machten Veterinäre dicht, weil sie total vergammeltes Fleisch darin gefunden hatten.

Von Jürgen Umbach

Quelle: HNA

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