Helmut Eichenlaub sah sich als Herrscher im Kreis Waldeck-Frankenberg - und wollte dennoch weg

Ein Landrat wie ein Despot

Einst geachtet und nun tief gefallen: Frankenbergs ehemaliger Bürgermeister Helmut Eichenlaub, der später als Landrat den Kreis Waldeck-Frankenberg führte wie ein Despot.

An einen „gravierenden Bolzen kann ich mich nicht erinnern“. Das sagte Waldeck-Frankenbergs damaliger Landrat Helmut Eichenlaub (CDU) im November 2009 im HNA-Interview auf die Frage nach Fehlern, die er bereue. Kein gravierender Bolzen? Das sieht jetzt – sechs Monate, nachdem Eichenlaub aus dem Amt geschieden ist – so mancher anders.

Seit Wochen machen immer neue Enthüllungen aus Eichenlaubs Amtszeit Schlagzeilen: Seine 28 Auslandsdienstreisen allein im vergangenen Jahr, die Überschreitung des genehmigten Reisebudgets um 100 Prozent, Geschäftsessen in Luxus-Restaurants auf Steuerzahlerkosten, die möglicherweise unzulässigen Sonderzahlungen an leitende Beamte in der Kreisverwaltung und die Bespitzelung von Kreis-Mitarbeitern über das EDV-System der Verwaltung. Jüngste Enthüllung: Eichenlaub hat Provisionen für die Anlage von 17 Millionen Euro des Landkreises bei einer Bank in der Schweiz auf ein von ihm benanntes Konto zahlen lassen. Es geht um mindestens 84 000 Euro.

Inzwischen ermittelt die Kasseler Staatsanwaltschaft in Sachen Dienstreisekosten und Anlageprovisionen gegen den früheren Landrat. Der Verdacht: Untreue oder Betrug. Eichenlaub hat sich bislang nicht dazu geäußert – er liegt schwer krank in einem österreichischen Krankenhaus.

Unterdessen versuchen die Kreistagspolitiker, in einem Akteneinsichtsausschuss Licht ins Dunkel der landrätlichen Dienstreisen zu bringen. Dabei macht ihnen nicht nur die schiere Menge der Reisen Probleme – es geht um mindestens 67 in zwei Jahren – auch die mangelhafte Aktenführung erschwert die Aufklärungsarbeit.

Eine geregelte Abrechnungspraxis scheint es für Landrat Eichenlaub nicht gegeben zu haben. Er legte einige lose Quittungen vor und ließ sie von seinen Mitarbeitern abzeichnen. So ist oft der Zweck der Reise gar nicht klar. Kosten wurden zudem hin und her gebucht: vom Reisekostenbudget zu Repräsentationskosten oder Bewirtung beziehungsweise umgekehrt.

In zwei Dingen stimmen alle Fraktionen im Kreistag inzwischen überein: in ihrem Entsetzen über das, was jetzt aus der zwölfjährigen Amtszeit Eichenlaubs offenbar wird. Und darin, dass sie von alledem nichts gewusst haben, nichts haben wissen können.

Die SPD-Opposition beruft sich darauf, dass das Kreisparlament durch die Verwaltung unzureichend informiert wurde, Budgetüberschreitungen verschleiert worden seien. Die CDU, die zusammen mit FDP und FWG regiert, macht geltend, dass es zwischen ihr und Eichenlaub schon 2007 während dessen Sonderurlaubs-Affäre zum Bruch gekommen sei. Danach habe man keinen Kontakt mehr zu Eichenlaub gehabt.

Und auch die beiden Kreis-Dezernenten Otto Wilke (FDP) und Peter Niederstraßer (FWG) berufen sich darauf, dass Eichenlaub sie von wichtigen Informationen abgeschnitten habe und sie nie gewusst hätten, wo er gewesen sei. Er habe schließlich ein Büro in seinem Privathaus gehabt und die Verwaltung per E-Mail und Telefon geführt.

Von Ingo Happel-Emrich

Quelle: HNA

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