HNA-Kommentar

Landtagswahl in Hessen: Zu früh geläutet

Tibor Pézsa

Lange Zeit sah es bei der Landtagswahl in Hessen nach einem Aus für die FDP aus. Dann aber wirbelte ein Zwischenergebnis nach Mitternacht die Prognosen durcheinander: Die FDP  erreicht 5 Prozent aller Stimmen. HNA-Redakteur Tibor Pézsa über das Wahlergebnis in Hessen:

Wie war das mit dem Sterbeglöckchen und der FDP? Zu früh geläutet - so auch diesmal, zumindest in Hessen.

Um 2.28 Uhr, auf den letzten Metern, schaffte die FDP den Wiedereinzug in den Hessischen Landtag. Das schafft zwar keine klaren Verhältnisse, im Gegenteil. Aber es gibt den berüchtigten Hessischen Verhältnissen erst wieder ihre ganze Schärfe. Es steht Spitz auf Knopf. Die Hessen-FDP ist fürchterlich abgestraft worden, aber eben nicht erledigt. Die SPD wird es sich zweimal überlegen müssen, ob sie sich wieder einmal mit Rot-Rot-Grün einer Belastungsprobe unterzieht oder doch lieber den Spatz in der Hand ergreift, sprich: eine große Koalition mit der CDU.

Vor dem Hintergrund des noch schlimmeren Bundesergebnisses der Liberalen bedeutet dies zumindest ein Fünkchen Hoffnung für die Liberalen. Als Fraktion, und sei sie auch noch so klein, kann die Hessen-FDP im Landtag die Fahne auch für die ganze FDP hoch halten. Das wäre ihr aus dem Off so sonst nicht möglich.

So kommt es, dass die Union in letzter Minute auch in Hessen aus einer Position der Stärke verhandeln kann. Und die FDP doch noch gebraucht wird - irgendwie. Und sei es nur, um den Bundesliberalen nicht völlig das Licht auszublasen.

Die Zeichen stehen auf Große Koalition, im Bund, aber auch in Hessen. Die FDP macht's möglich, ob schon ganz im Jenseits wie im Bund oder mit einem Fuß im Sarg wie in Hessen. Sterbeglöckchen hin oder her.

E-Mail an den Autor: tpa@hna.de

Quelle: HNA

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