Trotz abgelaufener Amnestie signalisieren Behörden auch jetzt noch eventuelle Straffreiheit bei Rückgabe

Letzte Chance für Waffenbesitzer

Polizisten (in Wolfhagen) mit illegalen Waffen (von links): Lothar Rampe, Wilhelm Knippschild, Polizeichef Robert Grau. Foto: Gentner

Kassel/Wiesbaden. Jede Waffe, die bei der Polizei abgegeben wird, ist eine Gefahr weniger. So sieht es jedenfalls Wolfgang Jungnitsch, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen in Kassel. Auch nach Ende der Amnestie-Frist für Besitzer illegaler Waffen zum Jahreswechsel freut sich die Polizei über zurückgegebene Pistolen, Revolver und Gewehre. Aber um eines kommen die Ordnungshüter nicht herum: Sie müssen eine Anzeige fertigen, wenn illegale Waffen jetzt noch abgegeben werden.

Was dann aus dieser Anzeige wirklich wird, steht aber auf einem anderen Blatt. Denn sie wandert zur Staatsanwaltschaft. Oberstaatsanwalt Michael Geidis, stellvertrender Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, signalisiert, dass auch säumige Waffenbesitzer, die den Termin zum Jahresende verbummelt haben, nicht unbedingt die ganze Härte des Gesetzes zu spüren bekommen. „Jeder Fall wird einzeln geprüft und einzeln entschieden“, sagt er und weist auf den Ermessensspielraum hin. Es komme immer auch darauf an, wie glaubhaft eine Rückgabe erfolge.

In Hessen sind nach vorläufigen Schätzungen rund 3000 Waffen freiwillig zurückgegeben worden. Darunter sollen rund 513 illegale Waffen gewesen sein. Thorsten Neels, stellvertretender Sprecher des Innenministeriums, erklärte, damit habe sich die Zahl abegegebener Waffen mehr als verdoppelt. Allein im Schwalm-Eder-Kreis haben 220 Menschen über 400 legale und illegale Waffen abgegeben.

Die Waffen-Amnestie war nach dem Amoklauf von Winnenden, bei dem ein Schüler 16 Menschen und anschließend sich erschossen hatte, beschlossen worden.

Von Jürgen Umbach

Quelle: HNA

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