Anfangs war ihr Chef skeptisch - Jetzt will er Johanna Seip nicht mehr gehen lassen

Arbeiten mit Down-Syndrom: Macchiato kann sie perfekt

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Lebhaft und lustig: Johanna Seip hat im Marburger Eissalon Camerin eine Chance bekommen. Nach einer Übergangszeit wird die junge Frau mit Down-Syndrom übernommen.

Marburg/Hofgeismar. „Sie ist grundehrlich, pflichtbewusst, sehr interessiert, lebhaft und lustig“: Wenn der Marburger Cafébesitzer Marcello Camerin über Johanna Seip spricht, hört es sich fast so an, als sei sie die ideale Mitarbeiterin.

Doch die 21-Jährige mit dem freundlichen Lächeln hat das Down-Syndrom und gilt als geistig behindert.

Deswegen war Marcello Camerin zunächst sehr skeptisch, als die nahe gelegenen Lahnwerkstätten bei ihm anfragten, ob Johanna Seip bei ihm arbeiten könne. Doch er probierte es.

Anfangs räumte die junge Frau nur die Spülmaschine ein und aus. Dann schnippelte sie Obstsalat. Und inzwischen hat sie ihren festen Platz an der Theke. Sie macht Latte macchiato, Espresso und Cappuccino an der Kaffeemaschine, wischt die Tische, kauft ein und bringt Getränke zu den Kunden. „Wenn ich es gut gemacht habe, bekomme ich Trinkgeld“, erzählt Johanna Seip. Von ihrem Geld hat sie sich einen Fernseher gekauft.

„Wir haben sehr schnell gemerkt, dass Johanna sehr viel mehr kann, als wir uns hätten träumen lassen“, sagt der Chef. Nur an die Kasse darf sie nicht, weil sie nur ein wenig rechnen kann. Und die Kollegen achten darauf, ihr immer nur eine Sache aufzutragen.

Nischen finden

„Sie ist regelrecht aufgeblüht“, sagt Bernd Engelhardt, der bei den Lahnwerkstätten für die berufliche Integration der mehr als 300 behinderten Mitarbeiter zuständig ist. Jeder Zehnte arbeitet außerhalb der Werkstatt. „Man muss Nischen finden“, sagt der Experte: „Und die Chemie muss stimmen.“ Das ist im Eissalon Camerin in Marburg-Wehrda offenbar der Fall: „Buon Giorno“, ruft die 21-Jährige den deutsch-italienischen Mitarbeitern zur Begrüßung zu: „Ich mag alle hier“, sagt sie.

Die Sorge um die Kunden war offenbar unnötig. Die Cafébesucher haben die junge Frau ins Herz geschlossen, die gern mit jedem ins Gespräch kommt. Die 21-Jährige erzählt von ihren Neffen, ihrem Freund, von Harry Potter und Bayern München. Manchmal müsse man sie da ein wenig bremsen, erzählt Camerin. Und wenn die Bayern verlieren, kann ihr das aufs Gemüt schlagen.

Für das Eiscafé ist Johanna Seip eine wertvolle Mitarbeiterin geworden, die Camerin nicht verlieren möchte. Wenn ihr Langzeitpraktikum im Herbst ausläuft, wird sie übernommen. Dafür gibt’s finanzielle Unterstützung vom Landeswohlfahrtsverband. Seniorchefin Mirella Camerin: „Wir sind sehr zufrieden. Sie passt gut hierher.“

Von Gesa Coordes

Quelle: HNA

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