Strafanzeige gegen Bürgermeister wegen Gifteinsatz - Krabbeltierplage in Nordhessen unwahrscheinlich

Maikäferjagd wird zum Skandal

Kleines Insekt mit großem Hunger: Maikäfer werden in diesem Jahr in Südhessen wieder zur Plage. In Nordhessen hingegen können sich die Insekten nicht optimal fortpflanzen. Foto: dpa

Kassel / Pfungstadt. Die mit Hubschraubereinsätzen und Gift geführte Hatz auf Maikäfer in Pfungstadt nimmt skandalöse Züge an: Der Regierungspräsident in Gießen wirft der Stadt schlampige Information der Bürger vor und stoppt weitere Einsätze. Der Naturschutzbund ging nun noch einen Schritt weiter und erstattete Strafanzeige gegen Pfungstadts Bürgermeister Horst Baier (SPD) wegen Körperverletzung und Bodenverunreinigung. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Darmstadt.

In Nordhessen wird Ähnliches mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht passieren. Denn die Lebensbedingungen für Maikäfer sind hier so schlecht, dass eine Maikäferplage wie im Süden des Landes kaum auftreten wird, sagen Forstexperten.

Laut Horst Gossenauer-Marohn, Pressesprecher beim Landesbetrieb Hessen-Forst in Kassel, seien die Böden in der Region zu lehmhaltig, als dass der Waldmaikäfer ihn für die Eiablage nutzen könnte. Zudem könnten sich die Larven, die sogenannten Engerlinge, aufgrund des felsigen Untergrunds bei Frost nicht tief genug in die Erde zurückziehen. Sie würden einfach erfrieren. Eine Massenvermehrung sei deshalb in Nordhessen ausgeschlossen.

Plage im Vierjahrestakt

Anlass für die jetzt diskutierte Sprühaktion ist eine Maikäfer-Plage, die in einem Vierjahresrhythmus in der Region auftritt. Der Einsatz des umstrittenen Insektizids Dimethoat sollte das Schlimmste verhindern. Etwa 80 Eier legt ein Maikäfer-Weibchen. Hauptverbreitungsgebiet des Waldmaikäfers ist in Hessen der Oberrheingraben. Hier fänden die Waldmaikäfer in den lockeren, trockenen Sandböden ideale Brutstätten für ihre Nachkommen, sagt Gossenauer-Marohn.

Um die Waldmaikäferpopulation zu überwachen, werden von der Landesgrenze zu Baden-Württemberg bis in den Frankfurter Stadtwald jährlich Bodenproben genommen. Im vergangenen Jahr hatten die Spitzenwerte bei 176 Waldmaikäfer-Engerlingen pro Quadratmeter gelegen. Drei Larven pro Quadratmeter sind der gewöhnliche Grenzwert.

Von Jan Baetz

Quelle: HNA

Kommentare