Versorgung mit Breitband soll nordhessische Kommunen auch wirtschaftlich nach vorn bringen

Mehr als schnelleres Surfen

Oliver Brunkow

Das nordhessische Tal der Ahnungslosen ist Liebenau. Nirgends sonst in der Region ist die schnelle Verbindung mit dem Internet so langsam wie in der 3392 Einwohner zählenden Gemeinde. Sagt zumindest der Breitbandatlas der Bundesregierung. Wenn man allerdings genauer hinschaut, gibt es viel mehr solcher Täler als der Atlas ausweist: Martinhagen, Wilhelmshausen, Mönchehof - die Liste der DSL-Abstinenten ließe sich weiterführen, weiß Karl Hellmich.

Hellmich, beim Kreis Kassel angestellt, betreut das Projekt, das die Region in das neue Kommunikationszeitalter katapultieren soll: Bis Ende 2010 sollen 20 Kommunen mit 68 Ortsteilen das schnelle und zuverlässige Internet mit einer Übertragungsrate von mindestens zwei MB pro Sekunde bekommen.

Das, was viele Gemeinden im Keis Kassel noch vor sich haben, haben die im Werra-Meißner-Kreis schon hinter sich: Von demografischen Problemen arg gebeutelt, hat der Werra-Meißner-Kreis in Sachen DSL-Versorgung die Flucht nach vorn ergriffen und an einem Pilotprojekt des Landes Hessen teilgenommen. „Wir hatten immer wieder Bürger und Betriebe, die sich beschwerten, dass ihr Internet nicht richtig funktioniert“, erzählt Oliver Brunkow von der Wirtschaftsförderung des Werra-Meißner-Kreises. „Deswegen haben wir 2007 angefangen, uns über Fördermöglichkeiten, Ansprechpartner, Anbieter und Technisches zu informieren.“

Knapp drei Jahre später ist der gesamte Werra-Meißner-Kreis online. Also weit mehr als im Bundesdurchschnitt, der bei 60 Prozent der Haushalte liegt. Konkret: Alle Bewohner in den 141 Orten des Kreises können online sein, wenn sie denn wollen. „Die Arbeit am Breitband ist so gut wie fertig. Nun können wir endlich die Früchte ernten“, sagt Brunkow und meint: Durch die neue Infrastruktur hofft der Kreis unter anderem auf Betriebs-Ansiedelungen.

Darauf zu spekulieren wagte der Kreis Anfang 2007 nicht. 69 Orte hatten Zugänge mit weniger als 1 Megabit pro Sekunde. Bis sich Seiten aufbauten, dauerte es extrem lang. 20 Orte hatten kein DSL. „Beste Voraussetzung, um was zu verbessern“, sagt Brunkow mit einem Schmunzeln. Breitbandausbau - das ist nicht nur ein regional begrenztes Projekt. Längst wirbt dafür auch die Bundesregierung verstärkt - mit Erfolg: Nach neuesten Zahlen wurden im Jahr 2008 drei Millionen neue Breitbandanschlüsse vermarktet. Ende des ersten Halbjahres 2009 gab es 24,1 Mio. Breitbandanschlüsse.

Die Initiative legt auch die Richtlinien für die Förderung von DSL-Projekten fest. Aus eigener Erfahrung sagt Brunkow: „Am schwierigsten ist es für die Landkreise, richtlinienkonform an die Fördermittel von Bund und Land zu kommen.“ Das aber ist wichtig: Von den 550 000 Euro, die der DSL-Ausbau im Werra-Meißner-Kreis gekostet hat, waren 60 Prozent aus Fördermitteln.

Damit andere Kreise es leichter haben, hat Brunkow einen Leitfaden erarbeitet. Trotz allem bleiben Widerstände: Einige Bürger wollen keinen Richtfunk - obwohl keine andere Technik sie mit dem Netz versorgen könnte. Zu guter Letzt spielte das Geld natürlich immer wieder eine Rolle: Zwar gibt es Fördermittel, doch die Gemeinden müssen trotzdem einen Batzen schultern. Karl Hellmich: „Für die eine Kommune sind 20 000 Euro viel, für die anderen sind es Peanuts.“

Von Tatjana Braun

Quelle: HNA

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