Schöllenbacher Altar soll nach vierjähriger Restaurierung wieder ins Erbacher Schloss

Meisterwerk der Spätgotik

Restauratorin Christiane Haeseler arbeitet an der Madonna des Schöllenbacher Altars. Hinten alttestamentarische Könige am Mittelschrein. Foto: dpa

Wiesbaden. Manchmal ist das Glück den Restauratoren hold. Etwa, als sie die Rückseite des Schöllenbacher Altars untersuchten, eines Meisterwerks der Gotik aus dem frühen 16. Jahrhundert, das in vierjähriger Arbeit in den Werkstätten des Landesamtes für Denkmalpflege im Wiesbadener Schloss Biebrich restauriert wurde.

Dort nämlich fand sich nicht nur ein Gemälde, sondern auch die genaue Jahreszahl der Entstehung des 4,30 Meter hohen und mit ausgeklappten Flügeln 5,20 Meter breiten Altars: 1515 ist dort zu lesen, ein Glücksfall, der das ohnehin wertvolle Stück eines unbekannten Meisters nun auch zum wichtigen Referenzobjekt für kunstgeschichtliche Forschungen macht.

Der Altar wurde von den Grafen zu Erbach (Odenwald) für die ehemalige Wallfahrtskirche Schöllenbach in ihrer Grafschaft gestiftet, später kam er in die Hubertuskapelle im Schloss. Dort litt die Bemalung der Schnitzereien vor allem unter unkontrollierter Beheizung, Holzschädlingen und früheren Überarbeitungen, so Werkstattleiterin Christine Kenner gestern bei der Präsentation der Arbeitsergebnisse. Die Gewänder der geschnitzten Figuren der alttestamentarischen Könige im Mittelschrein etwa entsprächen nun der Farbigkeit des 19. Jahrhunderts, die Gesichter und Hände dagegen der laut Kenner außergewöhnlich gut erhaltenen gotischen Fassung.

Ab 25. August soll der für 260 000 Euro restaurierte Altar, einer der größten am Mittelrhein, wieder im Erbacher Schloss zu sehen sein. Die räumlichen und klimatischen Bedingungen in der Kapelle werden bis dahin für einen „Betrag im oberen fünfstelligen Bereich“ verbessert, so Karl Weber, Direktor der hessischen Schlösserverwaltung.

Der Altar soll dann eine weitere touristische Attraktion in dem Schloss sein, das das Land 2005 trotz rigider Sparmaßnahmen für 13,2 Millionen Euro von der finanziell angeschlagenen Grafenfamilie gekauft hatte. So sollte unter anderem eine wertvolle Antikensammlung vor dem Verkauf gerettet werden. 2009 besuchten laut Betreibergesellschaft 25 000 Menschen das Schloss.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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