Nach Messerattacken auf Polizisten

Salafist aus Nordhessen ab morgen vor Gericht

Bonn/Sontra. Es war eine Explosion der Gewalt: 29 Polizisten wurden verletzt, als sich Salafisten von der rechten Pro-NRW-Bewegung provozieren ließen und mit Ausschreitungen reagierten. Jetzt beginnt in Bonn der Prozess gegen einen der Salafisten. Der Mann stammt aus Nordhessen.

Fünf Monate nach Messerattacken auf Polizisten in Bonn muss sich ein Salafist aus Hessen nun vor Gericht verantworten. Der Prozess gegen den Deutsch-Türken vor dem Bonner Landgericht beginnt an diesem Mittwoch (10.10.) unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen. Zunächst sind vier Verhandlungstage angesetzt.

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Der 26-Jährige aus dem nordhessischen Sontra soll im Mai bei Ausschreitungen radikal-islamischer Salafisten in Bonn zwei Polizisten mit einem Messer verletzt haben. Dem Muslim, einem in Deutschland aufgewachsenen türkischen Staatsangehörigen, wirft die Anklage gefährliche Körperverletzung sowie besonders schweren Landfriedensbruch und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vor.

Bei den von der rechtsextremen Splitterpartei „Pro NRW“ provozierten Ausschreitungen waren insgesamt 29 Polizeibeamte verletzt worden. Weniger als 30 Pro-NRW-Leuten hatten rund 500 bis 600 Gegendemonstranten gegenübergestanden. Als Pro-NRW-Anhänger eine Mohammed-Karikatur in die Höhe hielten, soll der Angeklagte mit anderen Gegendemonstranten Flaschen und Steine auf Polizisten geworfen haben. Dann soll er drei Polizeibeamte gezielt mit einem Messer angegriffen und zwei von ihnen - darunter eine Frau - mit Stichen in den Oberschenkel erheblich verletzt haben.

Der wegen mehrfacher gefährlicher Körperverletzung bekannte Angeklagte aus dem Werra-Meißner-Kreis war unter dem Verdacht des dreifachen versuchten Polizistenmordes in Untersuchungshaft gekommen. Dieser ursprünglich bestehende Verdacht habe sich durch die Ermittlungen nicht belegen lassen, erklärte die Bonner Staatsanwältin Vanessa Weber zur Anklage. Der Angeschuldigte habe die Angriffe zwar gestanden, aber eine Tötungsabsicht bestritten. Die Verletzungen seien außerdem nicht lebensgefährlich gewesen.

Die Messerangriffe auf die nicht durch Sicherheitsausrüstung geschützten Oberschenkel der Polizisten am 5. Mai sind nach Polizeiangaben auf einem Einsatzvideo festgehalten. Der Angeklagte hatte bei der Polizei seine Tat damit begründet, dass die Beamten den Anhängern von „Pro NRW“ erlaubt hätten, Mohammed-Karikaturen zu zeigen. Dies habe die Muslime beleidigt.

Quelle: HNA

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