Milder Arbeitsmarkt im harten Winter

Frankfurt. Ungeachtet der schwächelnden Konjunktur sind die hessischen Arbeitslosenzahlen im Februar nur leicht gestiegen. 217.013 Menschen waren arbeitslos gemeldet.

Das teilte die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Frankfurt mit.

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Das sind 1451 Menschen oder 0,7 Prozent mehr als im Vormonat. Gegen den Bundestrend sind das sogar 1750 oder 0,8 Prozent weniger als im Februar des Vorjahres. Die Quote blieb gegenüber dem Januar unverändert bei 7,0 Prozent. Die Agentur führte den Anstieg ausschließlich auf saisonale Gründe wie den langen Winter und das Auslaufen vieler Ausbildungen zurück.

Agenturchef Wolfgang Forell berichtete, dass wieder mehr offene und ungeförderte Stellen gemeldet würden. Gut 12.300 seien im Februar neu hinzugekommen und hätten den Bestand auf rund 24.500 erhöht. Vor allem Leiharbeitsfirmen suchen demnach wieder verstärkt Leute, nachdem sie in der Krise ihre Belegschaften drastisch reduziert hatten. „Die Zeitarbeit baut wieder langsam Stellen auf. Das zeigt, dass die Unternehmen wieder einstellen können und wollen. Es ist allerdings zu früh, von einem Ende der Krise zu sprechen“, kommentierte Forell. Die Vereinigung hessischer Unternehmerverbände (VhU) wies darauf hin, dass längst nicht alle offenen Stellen den Agenturen gemeldet würden. Derzeit gebe es rund 64 000 unbesetzte Jobs.

Das kalte Wetter hat unter anderem dazu geführt, dass Neueinstellungen etwa bei Bau- und Landschaftsbaufirmen nach hinten verschoben wurden. Ernsthafte konjunkturelle Probleme schlagen aber offenbar nicht auf den hessischen Arbeitsmarkt durch. Forell lobte erneut die stabilisierende Wirkung der Kurzarbeit. Die Zahl der Anzeigen liege noch auf einem relativ hohen Niveau, gehe aber zurück. Im Dezember waren noch rund 52 500 Menschen betroffen. In der Spitze hatten in Hessen im April 2009 rund 105 000 Menschen mit Hilfe der Sozialleistung zeitweise weniger gearbeitet.

Verstärkt kamen im Februar junge Menschen auf den Arbeitsmarkt, die ihre Ausbildung beendeten. Im Februar waren knapp 23 000 junge Frauen und Männer unter 25 Jahren arbeitslos. Das waren 1 395 (6,5 Prozent) mehr als im Vormonat, aber 1536 (6,3 Prozent) weniger als im Februar 2009. Forell sah darin keine dramatische Entwicklung. „Aus der Erfahrung wissen wir, dass die jungen Menschen, die aufgrund ihrer guten beruflichen und schulischen Leistungen ihr Ausbildungsende vorgezogen haben, auch schnell wieder eine Anschlussbeschäftigung finden.“ Die Arbeitslosenquote der Männer liegt mit 7,3 Prozent weiterhin über der der Frauen mit 6,7 Prozent. Überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit ist auch bei älteren Arbeitnehmern über 50 Jahren mit 7,4 Prozent und bei Ausländern mit einer Quote von 14,9 Prozent zu beobachten.

Die VhU forderte in diesem Zusammenhang stärkere Anstrengungen bei der frühkindlichen Bildung und eine „Generalüberholung von Hartz IV“. Für Kinder müssten mehr Sachleistungen bereitgestellt werden wie etwa Schulessen, Bildungs- und Kleidungsgutscheine, verlangte der VhU- Hauptgeschäftsführer Volker Fasbender. Bei entsprechender Kürzung der Geldzahlungen lohne es ich für die Eltern eher, wieder eine Beschäftigung aufzunehmen. Um endlich die Ursachen der seit Jahrzehnten verfestigten Arbeitslosigkeit wirksam zu bekämpfen, müsse der Nachschub Geringqualifizierter ohne Schul- und Berufsabschluss in die Fürsorgesysteme gestoppt werden. Fast Dreiviertel der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger in Hessen hätten keine Berufsausbildung, darunter besonders viele mit Migrationshintergrund. (lhe)

Quelle: HNA

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