Witzenhäuser „Inka-Mädchen“ älter als Ötzi - Dreijährige Museumstour durch USA

Mumie wird zum Weltstar

Heidi Hilgenböker vom Lippischen Landesmuseum nimmt die Kindermumie in Augenschein, bevor sie in die Klimakiste gebettet wird, in der sie nach Amerika transportiert wird. Foto: Depping

Witzenhausen/Detmold. Als das Völkerkundliche Museum Witzenhausen 1987 die Mumie eines Kleinkindes aus Südamerika geschenkt bekam, konnte niemand ahnen, dass das „Inka-Mädchen“ einmal für eine archäologische Sensation sorgen würde. Weil die Mumie so gar nicht in die Sammlung passte, gaben die Witzenhausener sie weiter an das Lippische Landesmuseum in Detmold. Hier fanden Forscher jetzt heraus: Die Mumie ist fast 6500 Jahre alt - die älteste Mumie auf dem europäischen Festland und eine der ältesten weltweit.

„Als die Mumie zu uns kam, befand sie sich in einem bedauernswerten Zustand. Man konnte kaum erkennen, dass es sich um einen Menschen handelte. Nur ein kleiner Fuß schaute aus dem Bündel heraus.“ So beschreibt Professor Eckhard Baum die Kindermumie, die er im April 1987 als Schenkung des Ehepaares Adelheid und Manfred Bocki entgegennahm.

Glücklich sei er über das Geschenk nicht gewesen, sagt der ehemalige Leiter des Museums in Witzenhausen. Das kleine Haus habe nicht die Möglichkeiten gehabt, alle notwendigen konservatorischen Maßnahmen zu ergreifen. So litt die Mumie bald unter Schimmelbefall.

Das nordhessische Museum wendete sich schließlich an das Lippische Landesmuseum in Detmold und übergab ihm das „Inka-Mädchen“. In Ostwestfalen wurde die kleine Mumie fachgerecht aufgearbeitet und konserviert. Große Bedeutung indes maß man ihr zunächst im lippischen Detmold nicht bei.

Die erhielt die Kindermumie erst, als Forscher des „German Mummy Project“ sie in ihre Untersuchungen aufnahmen. Neben dem sensationellen Alter stellten die Wissenschaftler um Dr. Wilfried Rosendahl nach dessen Angaben fest, dass das Kind etwa acht bis zehn Monate alt war und an einer Lungenentzündung oder an Herz-Kreislaufversagen starb.

Gründe genug für das bundesweite „German Mummy Project“, die Detmolder Mumie mit den Witzenhäuser Wurzeln in eine Ausstellung aufzunehmen, die rund 500 000 Menschen gesehen haben. Letzte Station in Deutschland war bis Ende April das Museum für Sepulkralkultur in Kassel, wohin über 60 000 Besucher kamen.

Die südamerikanische Kindermumie wurde gestern in Detmold mit größter Vorsicht in eine Klimakiste gebettet, in der sie direkt nach Los Angeles transportiert wird. Drei Jahre lang reisen die Mumien nun durch mehrere große Museen in den USA.

Für Eckhard Baum aus Witzenhausen eine positive Entwicklung: „Ich war damals schon froh, dass das Landesmuseum die Mumie übernommen hat, wo sie für die Nachwelt erhalten werden konnte. Die neuen Forschungsergebnisse bestätigen nun noch einmal, dass wir damals genau die richtige Entscheidung getroffen haben.“ Wie es nach ihrer USA-Tournee mit der Mumie weitergehen wird, steht noch nicht fest.

Von Beate Depping

Quelle: HNA

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