Nach Atomunfall: Spontaner Anti-Atom-Protest in Hessen

Frankfurt. Mit spontanen Demonstrationen und dem Ruf nach einem raschen Atom-Ausstieg haben Kernkraftgegner am Samstag in Hessen auf den Atomunfall in Japan reagiert. Landespolitiker von SPD, Grünen und Linkspartei nannten die Atomkraft eine letztlich nicht beherrschbare Risikotechnologie.

In Frankfurt demonstrierten rund 80 Mitglieder der deutschen Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW). In Reichelsheim im Odenwald schob eine Gruppe von SPD-Jungsozialisten symbolisch Atomfässer durch den Ort. In Kassel hatten nach Angaben der Polizei bereits am Freitagabend rund 20 Atomkraftgegner spontan protestiert.

SPD-Landesvorsitzender Thorsten Schäfer-Gümbel kündigte an, die Debatte über die Atomkraft werde erneut zu führen sein. „Das Abschalten der Atomreaktoren ist die notwendige Konsequenz“, sagte er. Der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Landtag, Tarek Al-Wazir, erklärte: „Wir erleben gerade, was der abstrakte Begriff Restrisiko bedeutet.“

Die Grünen seien nicht bereit, dieses Risiko zu tragen. Die umweltpolitische Sprecherin der Linke-Fraktion, Marjana Schott, forderte Abschalten des Atomkraftwerks Biblis. Alle drei Politiker erklärten, ihre Sorge und ihr Mitgefühl gelte den Menschen in Japan. Auch die Ärzteorganisation IPPNW schlug eine Brücke zum hessischen Atomkraftwerk Biblis.

Bei ihrer Protestaktion in Frankfurt hieß es in Sprechchören „Gestern Tschernobyl, heute Fukushima, morgen Biblis - Atomausstieg sofort“. Die IPPNW hatte ihre laufende Jahrestagung in Frankfurt für die Demonstration unterbrochen. Eine Sprecherin des Betreibers RWE hatte dagegen am Freitag gesagt, im Atomkraftwerk Biblis sei die Erdbebensicherheit in den vergangenen Jahren deutlich verstärkt worden. (lhe)

Quelle: HNA

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