Nach Messerattacke: Fragen und Antworten zu Mehrfach- und Intensivtätern in Hessen

Kassel. Auf rund 500 Seiten beschäftigt sich die hessische Polizei mit Mehrfach- und Intensivtätern - kurz MIT. Der 14-Jährige, der am Montag in Homberg zwei Männer niedergestochen hat, dürfte zumindest stark gefährdet sein, eine zweifelhafte Karriere als MIT zu absolvieren. Wir beantworten Fragen zum Thema.

?Wer wird als Mehrfach- und Intensivtäter eingestuft?

!Eine bundeseinheitliche Beschreibung gibt es nicht. Als MIT gilt nach hessischer Definition, wer wiederholt deliktübergreifend in der Eigentums- und Vermögenskriminalität, bei Körperverletzungen oder Raubstraftaten in Erscheinung getreten ist und bei dem trotz Straf- und Resozialisierungsmaßnahmen damit gerechnet werden muss, dass er neue Straftaten begeht.

?Wie viele Mehrfach- und  Intensivtäter gibt es in Hessen?

!Laut Studie sind es 1328. Da die Erhebung aber bereits vier Jahre alt ist, dürfte die Zahl höher liegen. 1233 MIT waren Männer (92,8 Prozent).

?Wie ist die Altersstruktur dieser Tätergruppe?

!6,2 Prozent sind 14 bis unter 18 Jahre alt. Weitere 15,7 Prozent werden den Heranwachsenden (18 bis unter 21 Jahre) zugeordnet. Den Rest von rund 78 Prozent machen die Erwachsenen aus. Die überproportional weitaus meisten MIT findet man jedoch in der Altersgruppe zwischen 16 und 35 Jahren.

?Gibt es gesicherte Erkenntnisse über das soziale und familiäre Umfeld dieser Täter?

!Ja. 45,9 Prozent der MIT wuchsen bei den leiblichen Eltern auf, etwa 20 Prozent bei einem alleinerziehenden Elternteil. 79 Prozent der MIT sind ledig (61 Prozent bei Frauen, 82 Prozent bei Männern). Nur etwa ein Viertel der Gruppe hat einen festen Partner. Und in 40 Prozent dieser Fälle ist auch der Partner straffällig.

? Wie sieht es beim Migrationshintergrund aus?

!Knapp die Hälfte (47 Prozent) der MIT hat einen Einwanderungshintergrund. In Nordhessen ist ihr Anteil mit 31 Prozent am geringsten in Hessen. In Osthessen wurden 53 Prozent mit Migrationshintergrund eingestuft. In Mittelhessen sind es 52 Prozent.

?Und wie sieht es bei Bildung und Beruf aus?

!Jeder dritte MIT hat die Schule ohne Abschluss verlassen (34,5 Prozent). Nur knapp 23 Prozent aller Mehrfach- und Intensivtäter besitzen eine abgeschlossene Berufsausbildung. Lediglich bei 60 Prozent ist ein legales Einkommen bekannt. Davon wieder verfügt die Hälfte über höchstens 345 Euro monatlich. ?Wie viele Straftaten begehen Mehrfachtäter? !Ein Beispiel: Das Polizeipräsidium Darmstadt ordnete in den vergangenen zwei Jahren vier Kindern, 55 Jugendlichen und 68 Heranwachsenden zusammen 3022 Straftaten zu - im Schnitt pro Person also eine Straftat im Monat.

Von Jürgen Umbach

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Quelle: HNA

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