Kultusministerin Henzler (FDP) sucht Talente, die sich an Führungsakademie qualifizieren

Nachwuchs soll Schulleitung lernen

Unterricht: Für Hessens Schulen, an denen 50 000 Lehrer unterrichten, gibt es bislang keine Personalentwicklungskonzepte. Nun sollen junge Leute zu gewonnen werden, die sich auf Führungsaufgaben vorbereiten lassen. Foto: dpa

Wiesbaden. Die erstaunlichste Auskunft gab Hessens Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) ziemlich zum Schluss der Pressekonferenz, bei der sie gestern eine neue Führungsakademie für Schulleiter vorstellte: Bisher, so Henzler, gebe es überhaupt keine Personalentwicklungskonzepte für Hessens Schulen, an denen immerhin rund 50 000 Lehrer unterrichten. Wer eine Leitungsaufgabe übernehmen wolle, müsse sich bislang selbst um die Fortbildung kümmern, die natürlich schon angeboten werde.

„Führen und gestalten“

Damit soll jetzt Schluss sein, denn Henzlers großes Projekt ist die selbstständige Schule. Sie verlangt einem Schulleiter laut Henzler ab, dass er „nicht nur verwalten, sondern auch leiten, führen und gestalten“ kann. Mithin muss er ein neues Anforderungsprofil erfüllen, für das sich interessiertes Personal nicht von heute auf morgen qualifizieren kann. Schulen hätten künftig mehr Gestaltungsspielräume, aber eben auch mehr Verantwortung. So soll die Budgetverantwortung nach und nach auf die Schulen übertragen werden.

Die neue Akademie sei keine neue Behörde, betonte die Ministerin. Vielmehr würden bisherige Fort- und Weiterbildungsangebote systematischer gesteuert und gebündelt. Dafür stellten die Staatlichen Schulämter, das Ministerium und das Amt für Lehrerbildung Personal zur Verfügung, auch externe Anbieter werden eingebunden. Als Beispiele nannte Henzler die Großunternehmen VW und Siemens, die Erfahrung mit Personalentwicklung hätten.

Insgesamt sollen in diesem Jahr 700 000 Euro für den Aufbau der Akademie bereitgestellt werden. Es gehe nicht darum, an der normalen Lehrerfortbildung Abstriche zu machen, sondern darum, neue Schwerpunkte zu setzen. Über die künftige Finanzierung könne sie angesichts der Sparvorgaben auch im Bildungsbereich noch nichts sagen, so Henzler.

Das Konzept sieht vor, schon junge geeignete Leute an den Schulen zu gewinnen, sie sich systematisch auf Führungsaufgaben vorbereiten lassen. Die Ministerin stellt sich dabei vor, dass ausgewählte Nachwuchskräfte dazu nicht nur mehrere Schulen kennenlernen sollen, sondern auch Erfahrungen in den Staatlichen Schulämtern und dem Ministerium sammeln.

Auch Erfahrung gefragt

Allerdings sind auch schon erfahrene Kollegen gefragt, denn bis 2014 müssen laut Henzler 1000 Funktionsstellen neu besetzt werden. Dabei handele es sich zum großen Teil um Grundschulstellen, so Thomas Hörold. Der Ministerialrat im Kultusministerium wird Leiter der Akademie sein. Sein Ziel ist es, für jede neu zu besetzende Führungsposition drei qualifizierte Bewerber zu haben. Derzeit herrscht eher Mangel an Bewerbern.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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