Neue Hygiene-Panne in Fulda: Klinikchef wirft hin - Hinweis auf Sabotage 

Fulda. Nach der neuen Hygiene-Panne mit OP-Bestecken hat Fuldas Klinikchef Jeguschke seinen Rückzug angekündigt. Dabei geht der Skandal wohl auf Schlampereien oder Sabotage Einzelner zurück - nicht auf technische Mängel oder schlechte Organisation.

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Nach der Hygiene-Panne mit nicht sterilisierten OP-Bestecken im Klinikum Fulda verdichten sich die Hinweise auf Sabotage. „Es gibt nachweislich einige Mitarbeiter, die ihre Pflicht nicht erfüllt haben. Ein absichtliches Verhalten ist nicht auszuschließen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Klinik, Harald Jeguschke, am Samstag. Der Klinikchef kündigte seinen Rücktritt zum 30. Juni an. Zukunftspläne hat er noch nicht. „Ich werde mich in Ruhe orientieren“, sagte er am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. Jeguschke arbeitet seit Sommer 2008 in dem Klinikum. Den Schritt begründete er damit, dass wichtige Zukunftsthemen nur so unbelastet gestaltet werden könnten. Der Aufsichtsrat habe das Angebot am Samstag angenommen, sagte Fuldas Oberbürgermeister Gerhard Möller (CDU).

Nach Jeguschkes Angaben weiß die Klinik inzwischen, dass 13 Patienten mit nicht sterilisierten Instrumenten operiert wurden. Das habe für die Patienten aber keine außergewöhnlichen Folgen gehabt, versicherte er. Eine Angehörige habe sich allerdings sehr besorgt um ihren Enkel gezeigt, dessen Mandeln mit nicht sterilisiertem Besteck entfernt worden seien. Der Klinikchef kündigte an, sich in den nächsten Tagen näher zu diesem Fall zu äußern. Die Sicherheitskontrollen im Bereich der Sterilisation seien inzwischen verschärft worden. Bei der Sterilisation würden die Instrumente nach dem Vier-Augen-Prinzip kontrolliert. Zusätzlich würden jeweils zwei Mitarbeiter in jedem Operationssaal die Instrumente kontrollieren und abzeichnen.

Verantwortlich für die Sterilisation der OP-Bestecke im Klinikum Fulda ist die Firma Orgamed. Ein organisatorischer oder technischer Mangel als Ursache sei auszuschließen, sagte Jeguschke. Vielmehr gehe es um menschliches Fehlverhalten: „Es kann sein, dass jemand jemandem eins auswischen wollte und dabei die Tragweite seines Handelns nicht überblickt hat.“ Auf dpa-Nachfrage sprach Jeguschke von „zwei Mitarbeitern an der Peripherie der Sterilisation“. Mit Hinweis auf das schwebende Verfahren wollte er keine Einzelheiten nennen. Das sei aber nur Spekulation, sagte Oberbürgermeister Möller. Er selber hatte den Begriff „Sabotage“ in die Diskussion eingebracht. Im Interesse der Arbeitsatmosphäre würden mehrere Mitarbeiter der Sterilisations-Abteilung jetzt in anderen Klinikbereichen eingesetzt. Mögliche arbeitsrechtliche Konsequenzen hingen vom Ergebnis der Aufklärung der Staatsanwaltschaft ab. Die Behörde ermittelt seit Freitag wegen des Verstoßes gegen das Medizinproduktegesetz.

Die Klinikleitung gab am Samstag auch bekannt, dass der neue medizinische Vorstand Thomas Menzel aus Schweinfurt seine Stelle bereits zwei Monate früher als geplant zum 1. Mai antreten wird. Menzel sagte: „Das Wichtigste ist jetzt, das Vertrauen der Patienten und der 2 500 Mitarbeiter zurückzugewinnen.“ Ab Montag werde das OP- Programm im Klinikum Fulda reduziert. Wer nicht dringend operiert werden müsse, solle erst einmal abwarten, riet Jeguschke. Er gehe davon aus, dass die Reduzierung maximal zehn Tage lang andauern werde. Den durch diese Hygiene-Panne verursachten finanziellen Schaden könne er noch nicht beziffern. (dpa)

Quelle: HNA

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