Streptokokken-Fall: Staatsanwalt ermittelt - Krankenkasse: Zahl der Infektionen steigt

OP-Zentrum bleibt dicht

Fulda. Das OP-Zentrum im Fuldaer Bardohaus bleibt wegen dreier Streptokokken-Infektionen vorerst weiter geschlossen. Doch in seinen Räumen darf der dort praktizierende Orthopäde nach einem Bericht der Fuldaer Zeitung mittlerweile Patienten wieder ärztlich beraten. Das Gesundheitsamt im Kreis Fulda bestätigte gestern, dass ein Gutachten zu den Infektionsvorfällen gestern eingegangen und an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden sei. Über Inhalte wurde nichts bekannt.

Am 23. April hatte das Gesundheitsamt das ambulante OP-Zentrum geschlossen. Grund: Zwei Frauen und ein Mann sollen sich dort bei Behandlungen am 19. April mit Streptokokken infiziert haben. Die Infektion war bei einer der Frauen so schwerwiegend, dass ihr später ein Bein amputiert werden musste.

Die Fuldaer Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet. Der Verdacht liege nahe, dass die Infektion durch einen erkrankten Mitarbeiter bei einer Operation übertragen wurde.

Der 62-jährige Mediziner erklärte unterdessen laut Fuldaer Zeitung, er sei interessiert daran, dass die Umstände umfangreich untersucht würden: „Ich möchte eine solche Situation nicht mehr erleben“, zitiert die Zeitung den Arzt, der seit 38 Jahren praktiziere. „Wenn man einen operativen Eingriff vornimmt und die Patienten so schwer daran tragen, dann ist es ist nicht leicht, damit zu leben.“

Nach Schätzungen der Techniker Krankenkasse (TK) erleiden in Hessen jährlich zwischen 35 000 und 40 000 Menschen Infektionen in einer Klinik. Die Zahl der Krankenhausbehandlungen aufgrund dieser Infektionen, zu deren Erregern auch der gefährliche MRSA-Keim gehört, ist in Hessen nach Angaben der TK zwischen 2008 und 2009 um 14 Prozent gestiegen.

Auf speziellen Isoliereinheiten betrage der Anstieg im selben Zeitraum nur sechs Prozent. Nach Einschätzung von Experten ist eine optimale Händehygiene in den Krankenhäusern das wirksamste Mittel, um die Ausbreitung von MRSA zu begrenzen. Diese Bakterienstämme verursachen die bei Weitem häufigsten lebensbedrohlichen Komplikationen während eines Krankenhausaufenthaltes. Betroffene leiden an Hautinfektionen, gefährlichen Entzündungen des Herzens und der Lunge sowie Blutvergiftungen. Solche Infektionen erhöhen laut Techniker Krankenkasse das Risiko, während eines Klinikaufenthaltes zu sterben, um fast das Dreifache.

Von Jürgen Umbach

Quelle: HNA

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