Einführung der Bildungsstandards wird verschoben - Grüne: Lehrerbildung reformieren

Pause bei den Lehrplänen

Unterricht: Die hessische Schulpolitik sorgt einmal mehr für Debatten. Jetzt wurde bekannt, dass die Bildungsstandards, die die vollgepackten Lehrpläne ablösen sollen, ein Jahr später kommen als geplant. Foto: dpa

Wiesbaden. Noch nie sei ein Schuljahr so reibungslos angelaufen, jubelte Hessens Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) im Herbst vergangenen Jahres. Seitdem ist es allerdings still geworden um die Ministerin, sieht man einmal ab vom Haushaltsstreit um die Schulsozialarbeit.

Prinzipiell dürften sich alle an Schule Beteiligten über etwas Ruhe gefreut haben nach den turbulenten Vorjahren; jetzt allerdings wurde bekannt, dass ausgerechnet die für das nächste Schuljahr versprochene Neuerung nicht kommt: Die hessischen Bildungsstandards für die Sekundarstufe I, in denen festgelegt wird, was ein Schüler nach Abschluss der Stufe können soll, kommen ein Jahr später. Dies dürfte auch ein Rückschlag auf dem Weg zur eigenständigen Schule sein, den die Ministerin anstrebt.

Besonders für die ohnehin geplagten Gymnasiasten mit Schulzeitverkürzung (G8) ist es jedoch ein Dämpfer. Denn die Standards sollten die vollgepackten Lehrpläne ablösen, die sich weitestgehend noch an der neunjährigen Gymnasialzeit orientieren. Auf eine Entschlackung hatte man mit der Begründung verzichtet, sie würden ohnehin von den Bildungsstandards abgelöst. Das Kultusministerium teilt dazu lediglich mit, man wolle den Schulen mehr Zeit geben, sich auf die Ablösung der Lehrpläne vorzubereiten. Entwürfe der Bildungsstandards würden ins Internet gestellt.

Mehr Praxis ins Studium

Die Opposition, die der FDP prompt den Bruch eines Wahlversprechens vorwirft, hat inzwischen neue Baustellen aufgemacht. So wollen die Grünen die Lehrerbildung reformieren, indem mehr Praxis in das Studium integriert werden soll. Auch soll es für die Lehrerbildung eigene Fachbereiche an den Unis geben.

Schon nach dem zweiten Semester, so der schulpolitische Sprecher Mathias Wagner, solle ein Praxissemester Pflicht sein, damit die Studierenden entscheiden könnten, ob sie wirklich Lehrer werden wollen. Ein späteres Praxissemester soll die Verzahnung von Theorie und Praxis fördern. Dafür könnte das Referendariat von 24 auf 12 Monate verkürzt werden.

Bei der FDP stieß der Vorschlag auf eher unverbindliche Diskussionsbereitschaft, die Koalition erarbeite bereits die notwendigen Konzepte.

Keinerlei Verständnis fand dagegen die SPD bei den Regierungsfraktionen FPD und CDU. Sie hatte am Montag die Abschaffung von G8 (wir berichteten) im Rahmen der Novellierung des Schulgesetzes gefordert, die Ende des Jahres ansteht.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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