Privat-Uni-Präsident festgenommen

Wiesbaden. Eigentlich hatte Christopher Jahns sich alles so schön vorgestellt: Im Herbst eröffnet die European Business School (EBS) mit der Law School für Wirtschaftsjuristen ihre zweite Fakultät und darf sich dann - voraussgesetzt die Akkreditierung verläuft erfolgreich - Universität nennen.

Auch Wiesbadens Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) freut sich schon lange, dass Wiesbaden bald Universitätstadt ist, wie es sich für eine Landeshauptstadt gehört.

Doch für Jahns kommt es nun wohl anders: Am Montag wurde der 41-Jährige festgenommen, Einrichtungen der EBS und seine Frankfurter Privatwohnung wurden durchsucht. Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden hatte Haftbefehl wegen des Verdachts der Untreue beantragt.

In Untersuchungshaft kam Jahns aber nicht, denn der Haftrichter erkannte keine Verdunkelungsgefahr, da Jahns seine Ämter an der EBS bereits niedergelegt habe. Ob dies tatsächlich so ist oder sein Präsidentenamt, wie seit März der Fall, nur ruht, war gestern nicht zu erfahren.

Am Dienstagabend wollte der EBS-Senat sich mit einer möglichen Abwahl befassen. Schon länger wird Jahns vorgeworfen, seine Tätigkeit an der EBS und seine sonstigen beruflichen Verpflichtungen beim Schweizer Beratungsunternehmen BrainNet nicht sauber zu trennen.

Laut Staatsanwaltschaft sind 180 000 Euro ohne erkennbare Gegenleistung von der EBS an Jahns Unternehmen geflossen, möglicherweise auch mehr. Jahns hat die Vorwürfe stets bestritten. Er sieht sich als Opfer einer EBS-internen Verleumdungskampagne.

Der smarte Professor, der in Marburg studiert und in München promoviert hat, macht nun auch der Landesregierung das Leben nicht leichter. Denn mit seiner Idee eines zweiten Standbeins hatte er sowohl Wiesbadens OB als auch den damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) begeistert.

Öffentliche Mittel zum Aufbau der Fakultät im nicht mehr genutzten Gerichtsquartier in Wiesbaden flossen deshalb reichlich. Neben der Förderung, die jeder privaten Hochschule für ihre Studienplätze zusteht, beteiligte sich neben der Stadt auch das Land mit 24,6 Milionen Euro, die auf drei Jahre verteilt gezahlt werden sollten.

17 Millionen sind 2009 und 2010 bereits geflossen - sehr zum Unmut der Opposition und der staatlichen Hochschulen, deren Etat zeitgleich um 30 Millionen Euro gekürzt wurde.

Die Landesregierung verteidigt ihr Engagement mit dem Argument, dass es den Staat viel teurer käme, würde er die zusätzlichen Studienplätze für Wirtschaftsjuristen selbst schaffen müssen. Gefragt seien sie nämlich insbesondere auch von den internationalen Kanzleien am Finanzplatz Frankfurt.

Bei der Gründungsfeier im vornehmen Wiesbadener Kurhaus im Juni 2010 bewies Jahns allerdings schlechten Stil, in dem er seine Gäste in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft teilte - der Zutritt zu einem VIP-Raum wurde von Sicherheitsleuten überwacht.

Die Opposition im Landtag will angesichts der Vorwürfe gegen Jahns wissen, was die Hochschule mit den bisher bewilligten Geldern gemacht hat. Am heutigen Mittwoch muss Ministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU/Kassel) darüber im Landtagsausschuss für Wissenschaft und Kunst Auskunft geben.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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