Hessische Opposition gegen Übertragung von Reststrom auf Atomkraftwerk Biblis

Kritik an Biblis-Verlängerung:„Profitdenken vor Sicherheit“

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Weiter am Stromnetz: Durch die Übertragung von Reststrommengen produziert das KKW Biblis bis zum Jahr 2012.

Biblis. Der letzte Störfall im Atomkraftwerk Biblis ist noch nicht eine Woche alt, da ereilt die Hessen diese Kunde: Das Kraftwerk soll ein Jahr länger laufen als geplant. Die Opposition übt Kritik.

Die Anlage bleibt, wie kurz berichtet, bis Anfang 2012 am Netz. Laut Atomausstiegsvertrag hätte sie eigentlich im Januar 2011 abgeschaltet werden müssen.

Die Aktion von Betreiber RWE stößt bei der hessischen Opposition auf heftige Kritik. RWE hat eine Reststrommenge von 8100 Gigawattstunden vom stillgelegten Atomkraftwerk Mühlheim-Kärlich in Rheinland-Pfalz auf Biblis B übertragen.

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Biblis B kann ein Jahr länger am Netz bleiben

Das 1986 fertiggestellte Werk in Mühlheim musste bereits 1988 wegen einer fehlerhaften Baugenehmigung vom Netz und durfte seitdem nicht wieder in Betrieb genommen werden. Im rot-grünen Atomkonsens war festgelegt worden, dass insgesamt 21 450 Gigawattstunden aus Mühlheim übernommen werden dürfen. Bereits im Mai hatten sich die Konzerne Eon und RWE auf eine Übertragung von 4786 Gigawattstunden vom stillgelegten Reaktor Stade auf Biblis A geeinigt. Somit kann auch dieser Block länger laufen.

Grünen-Fraktionschef Tarek Al-Wazir zeigte sich empört. RWE versuche alles, um die vorgesehene Abschaltung des Reaktors zu unterlaufen. Damit stelle der Konzern Profitinteressen über die Sicherheit der Bevölkerung. Der atompolitische Sprecher der hessischen SPD, Norbert Schmitt, sprach von einer „falschen Weichenstellung“. RWE betreibe hier eine Salamitaktik, um den Atomkonsens im Bündnis mit der schwarz-gelben Bundesregierung zu hintertreiben, um das Werk länger laufen zu lassen. Das sei der eigentliche Grund für die Aktion. Die SPD verlangte, dass eine Sicherheitsprüfung auf dem neuesten Stand vorgenommen werden müsse, bevor die Strommengen übertragen werden dürften.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung bereitet eine Regelung vor, nach der Atomkraftwerke grundsätzlich wieder länger am Netz bleiben können. Im Herbst soll ein Energiekonzept vorgelegt werden. Noch gilt der von der rot-grünen Vorgängerregierung verabschiedete Ausstiegsvertrag.

Eigentlich hätten in Biblis A schon im Jahr 2006 die Lichter ausgehen müssen. RWE rettete sich jedoch mit sehr langen Revisionsarbeiten über die Runden, während denen die Anlage nicht lief. Diese Periode wurde nicht auf die Restlaufzeit angerechnet. Längere Zeit produzierten die Blöcke A und B wechselseitig keinen Strom. (kle)

Quelle: HNA

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