Regenfälle sorgen für neues Hochwasser: Edertalsperre könnte Sonntag überlaufen

Kassel/Hann. Münden. Kaum ist das erste Hochwasser des Jahres über weite Teile Nordhessens geschwappt, droht das zweite. Ergiebige Regenfälle werden nach Vorhersagen von Meteorologen und Gewässerkundlern dazu führen, dass nicht nur große nordhessischen Flüsse wieder über Ufer treten werden.

Jiri Cemus, zuständig für Gewässerkunde beim Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Hann. Münden, jedenfalls sagt Flussanrainern ein spannendes Wochenende voraus.

In einer Simulation wurde gestern auch das Überlaufen der Edertalsperre nicht ausgeschlossen. Je nach Niederschlagsmenge könnte die Kapazität des Sees spätestens am Sonntag ausgeschöpft sein.

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Gestern flossen pro Sekunde 70 Kubikmeter Wasser in die Edertalsperre. Gleichzeitig wurden 110 Kubikmeter pro Sekunde abgelassen, um zusätzlichen Stauraum zu gewinnen. Jiri Cemus: „Wir schießen Wasser hinter der ersten Welle her.“

Zum Vergleich: Zu Spitzenzeiten in der vergangenen Woche flossen 270 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in den See hinein, abgelassen wurden aber nur 42 Kubikmeter pro Sekunde. So wurde die Höhe der Flutwelle gekappt, aber nicht verhindert. Auf eine Prognose, wie hoch die zweite Welle werden wird, ließ sich Cemus gestern nicht ein. Dazu klafften die Vorhersagen noch zu weit auseinander. Bisheriger Höchststand: 620 Zentimeter in der Nacht zum Montag am Weserpegel in Hann. Münden. Dort wird normalerweise ein Wasserstand von mindestens 120 Zentimetern angestrebt.

Edertal- und Diemeltalsperre sind die beiden einzigen bundeseigenen Talsperren in Deutschland. Sie dienen der Niedrigwasseraufhöhung der Oberweser, dem Hochwasserschutz und der Energieerzeugung. Abhängig von den Jahreszeiten gibt es drei Hauptbewirtschaftungsphasen: die Mindestabgabe, die Niedrigwasserbewirtschaftung und die Hochwasserbewirtschaftung. Die setzt jeweils am 1. November ein und dauert bis zum 1. Mai des Folgejahres.

Die Bewirtschaftung beider Talsperren wird im Verlauf des Jahres mit abnehmenden Hochwasserschutzraum immer schwieriger. Denn einerseits muss ausreichender Schutzraum vorgehalten werden, andererseits soll der See am 1. Mai auch wieder voll sein - für Touristen und für die Auffüllung der Weser.

Von Jürgen Umbach

Quelle: HNA

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