Region setzt verstärkt auf Windkraft: Standorte noch unklar

Kassel. Im Jahre 2050 sollen 100 Prozent des im Nordhessen benötigten Stroms und der Wärme aus erneuerbaren Energien kommen. Das ist das Ziel des regionalen Energiekonzepts, das Hessens Wirtschaftsministerium derzeit erarbeitet.

Vorläufige Ergebnisse wurden gestern der nordhessischen Regionalversammlung in Kassel präsentiert.

Landesregierung und die von ihr beauftragten Gutachter und Sachverständigen setzen vor allem auf die Windenergie: Im Jahr 2050 sollen riesige Windräder über die Hälfte des benötigten Stroms liefern. Gut ein Viertel kommt aus der Solarenergie, Biomasse soll ein Achtel beisteuern. Den Rest teilen sich Geothermie und Wasserkraft.

Dabei, so Matthias Bergmeister, Referatsleiter im Wirtschaftsministerium, müssen die Nordhessen keine Angst haben, mit Windrädern zugepflastert zu werden, um so Strom nach Mittel- und Südhessen zu liefern: Auf zwei Prozent der Landesflächen sollen sich die Windräder drehen - aber eben nicht nur in Nordhessen, sondern auch in der Mitte und im Süden des Landes. Auch dort, so Bergmeister, gebe es genügend Standorte für Windkraftanlagen.

Wo genau in Nordhessen diese Standorte liegen könnten, wollte das Ministerium nicht verraten. Gutachten seien „noch in der Mache“, Zurückhaltung also angesagt. Offenbar will man noch keine lebhaften Diskussionen über Für und Wider der riesigen Windräder in den betroffenen Kommunen. Klar ist, dass es in Nordhessen Gebiete mit starkem Wind gibt. Etwa im Westen Waldeck-Frankenbergs, im Norden des Landkreises Kassels und auf dem Meißner.

Ein anderes viel diskutiertes Thema ist die Ausweisung großer Flächen für die Photovoltaik zur Erzeugung von Solarstrom. Die Regionalversammlung beschloss gestern, dass ein solch großes Gebiet entlang der Autobahn A 7 (Gemarkung Hilgershausen, in der Nähe der Ostheimer Senke) für die Photovoltaik zur Verfügung gestellt werden kann. Es misst insgesamt 13 Hektar und ist heute Ackerland. Gegner des Projekts meinen, dass hier wertvoller Boden, der zur Produktion von Lebensmitteln dient, vernichtet werde.

Großes Potenzial sieht die Landesregierung in der Nutzung von Biomasse. Abfälle aus Schlachthäusern, Restaurants oder Holz vom Boden der Wälder könnten viel mehr genutzt werden als bisher. Finnland decke zum Beispiel 60 Prozent des Energiebedarfs mit Holz, das im Wald liegt, hieß es. Kein Baum müsse dafür gefällt werden.

Mit Biomasse kann vor allem Wärme produziert werden. Sie ist der größte Brocken des Energiebedarfs. Auch wenn man rechnet, dass im Jahr 2050 die privaten Haushalte etwa ein Viertel weniger Wärme verbrauchen als heute, wird immer noch mehr als doppelt so viel Energie für Wärme als für Strom benötigt.

Von Frank Thonicke

Quelle: HNA

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