Medizinbranche überdurchschnittlich stark

Regionalmanager Schach im Interview: "Gesundheit lohnt sich"

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Regionalmanager Holger Schach

Kassel. Die Gesundheitsbranche hat gute Wachstums- und Beschäftigungspotenziale in der Region Nordhessen. Auch das ist ein Thema der Kasseler Gesundheitstage, die am Freitag begonnen haben. Wir sprachen darüber mit Regionalmanager Holger Schach.

Wie ist die Region Nordhessen in der Gesundheitsbranche aufgestellt?

Holger Schach: Nordhessen ist im Bundesvergleich überdurchschnittlich aufgestellt. Die Region liegt bei der Bruttowertschöpfung in der Gesundheitswirtschaft rund sechs Prozent über dem deutschlandweiten Durchschnitt. Mit 65 000 Beschäftigten und 3,1 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung ist der Gesundheitssektor ein wichtiges wirtschaftliches Standbein für die Region, das überproportional stark ist.

Woran liegt das genau?

Schach: An der großen Zahl von Gesundheitseinrichtungen. Wir haben fast 100 Kliniken in der Region und 1500 Arztpraxen, zum Teil ausgewiesene Spezialeinrichtungen. Auch die flankierende Wirtschaft ist stark, beispielsweise die Firma B. Braun Melsungen und spezialisierte Zulieferbetriebe. Die Gesundheitsbranche ist heute nicht mehr nur unter reinen Kostenaspekten zu sehen, sondern sie ist auch ein regionaler Wachstumsfaktor. Deswegen müssen wir alles dafür tun, damit sie sich weiter entwickeln kann. Gesundheit lohnt sich.

Wo liegen die Stärken Nordhessens?

Schach: Wir haben viele Anbieter und eine lange Tradition. Deshalb gibt es hier 13 Kurorte und Heilbäder. Es wurden schon immer viele Kurgäste nach Nordhessen geschickt. Daraus hat sich eine große Menge an Einrichtungen entwickelt. Bad Wildungen ist der zweitstärkste Kurort Deutschlands. Allein dort gibt es 24 Akut- und Rehakliniken. Nordhessen hat damit ein Angebot, das weit über die Region hinausstrahlt.

Wie wird das Angebot beworben?

Schach: Früher standen die Einrichtungen eher in Konkurrenz zueinander. Heute kooperieren sie. Auch das ist ein Sinn der Gesundheitstage. Bei fast allen Beteiligten hat sich durchgesetzt, dass die Gesundheitsregion nur dann Erfolg hat, wenn sie sich gemeinsam aufstellt und vermarktet. Wir werben verstärkt auch um Gäste im Gesundheitstourismus, also im Selbstzahlermarkt. Besucher sollen nach Nordhessen kommen, um sich etwas Gutes zu tun. Das geht nur über ein gemeinsames Marketing.

Nennen Sie bitte ein Beispiel.

Schach: Wir haben das Projekt "Medical Wellness". Da gibt es gemeinsame Angebote von Hotels und Kliniken für Urlauber, die etwas für ihre Gesundheit tun wollen. Und für Patienten, die sich ein attraktives Behandlungsumfeld wünschen und nicht in der Klinik übernachten wollen.

Dennoch fehlen auf dem Land Ärzte. Wie kann die Region für sie attraktiv gemacht werden?

Schach: Das Problem kann die Region nicht selbst lösen. Da sind Gesundheitsministerium und Kassenärztliche Vereinigungen gefragt. Ein Weg, die Stellen auf dem Land aufzuwerten, wäre, das Vergütungssystem zu ändern. Hier gibt es Handlungsbedarf für die ländlichen Räume bundesweit. Aber an diesen Stellschrauben können wir nicht drehen. Es gibt genug Ärzte, das ist eine Verteilungsfrage.

Gibt es konkrete Projekte, um die Versorgung auf dem Land stabil zu halten?

Schach: Ja, zum Beispiel das Ärztenetzwerk Doxs. Damit lässt sich eine ambulante Versorgung nahe am Patienten und auch in der Fläche entwickeln. Geklärt werden muss, wer das organisiert und wer die Kosten übernimmt. Oder das Modell der medizinischen Versorgungszentren. Hier wird versucht, über eine Bündelung Fachärzte, die als "Einzelkämpfer" im ländlichen Raum in der Regel nicht die nötige Anzahl von Patienten hätten, mit einer gemeinsamen Infrastruktur von Kosten zu entlasten. Als Regionalmanagement ist unser Kernthema aber die noch stärkere Profilierung der Region im Gesundheitsbereich.

Von Peter Klebe

Quelle: HNA

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