Germanistik-Professorin Nina Janich rügt unangemessene Sprachschöpfungen

Richterin der Unwörter

Nina Janisch kennt sie alle: Die Unwörter der vergangenen Jahre lauten alternativlos (2010), betriebsratsverseucht (2009), notleidende Banken (2008) , Herdprämie (2007), freiwillige Ausreise (2006).

Darmstadt. Alternativlos, betriebsratsverseucht, notleidende Banken – alles Wörter, die unangemessen, verschleiernd, irreführend oder gar menschenverachtend sind. Sie werden jährlich von einer Jury auf die Liste der Unwörter des Jahres gesetzt.

„Wir wollen für den Sprachgebrauch sensibilisieren“, sagt Professorin Nina Janich. Sie ist seit Jahresbeginn die neue Sprecherin der Jury. Damit tritt sie die Nachfolge von Professor Horst Dieter Schlosser an. Der 73-jährige Gründer des Gremiums hatte das Amt nach 20 Jahren an Janich abgegeben.

Für sie ist die Aufgabe als Sprecherin zwar neu, als festes Jurymitglied ist die Sprachwissenschaftlerin aus Darmstadt aber bereits seit zehn Jahren tätig. „Wir sehen uns als Sprachkritiker, nicht als Wortwächter“, sagt die 43-Jährige. „Wächter ist jeder Einzelne, der uns Unwörter schickt.“ Denn auf diesem Weg erhalten die insgesamt sechs Gremienmitglieder die Vorschläge: Viele Menschen schicken ihnen Hunderte Faxe, Briefe und E-Mails. Die Germanistik-Professorin verlässt sich dabei auf die Mitarbeit der Bevölkerung. Worte, die ihr auffallen, findet sie fast immer auch in ihrem Briefkasten.

Ihre Faszination für die Sprachwissenschaft hat Janich im Studium der Germanistik entdeckt. Im wissenschaftlichen Umgang mit Sprache liegt für sie der Reiz: „Sprache begegnet einem überall. Ich finde es spannend, dass ich mir meine Forschungsthemen überall herholen kann.“

In die Forschung und Lehre ging sie aus pragmatischen Gründen: Während ihrer Studienzeit absolvierte Janich Praktika bei Tageszeitungen, Magazinen und in Verlagen. Sie sah darin auch eine Gegenprobe, ob sie wirklich an der Uni bleiben wolle.

„Die Arbeit als Lektorin wäre für mich ebenfalls interessant gewesen. Aber ich habe festgestellt, dass ich die Bücher doch lieber selbst schreiben will, als die von anderen zu redigieren.“ Zudem sei ihr die Uni als Arbeits- und Lebensumfeld ans Herz gewachsen. Seit 2003 ist sie in Darmstadt an der Technischen Universität tätig.

Mit ihrem Mann hat sie drei Töchter: ein, drei und fünf Jahre alt. Kürzlich hat sie den Ruf einer anderen Universität der Familie zuliebe abgelehnt. „Ein Wechsel mit Kindern ist schwierig und sollte nicht leichtherzig gemacht werden.“

www.unwortdesjahres.uni-frankfurt.de

Von Susanne Weidner

Quelle: HNA

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