4,5 Tonnen Papier für ein Rohr

Salzlauge: K+S stellt Antrag zur Abwasserleitung aus Neuhof-Ellers an die Werra

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Ablaufrinne für Salzlauge am Mittwoch

Kassel. Mit einer Lkw-Ladung von 4,5 Tonnen Akten hat der Düngerkonzern K + S heute den Antrag zum Bau einer Abwasserleitung zwischen dem Kaliwerk in Neuhof-Ellers bei Fulda und Philippsthal an der Werra abgeliefert.

Damit kann das Regierungspräsidium Kassel jetzt ein Verfahren einleiten, das irgendwann 2011 mit einer Baugenehmigung für die hochumstrittene 62-Kilometer-Röhre enden könnte. Sie soll jährlich 500 000 Kubikmeter Salzabwässer zur Werra pumpen, die der Regen von der riesigen Abraumhalde in Neuhof schwemmt.

Früher wurden die Neuhöfer Salzfluten in den Untergrund versenkt. Das hat der RP aus Gründen des Grundwasserschutzes inzwischen verboten - seit Mitte 2007 rollt die Salzbrühe in Tanklastern nach Norden.

Fünf Jahre sind zwischen ersten Gesprächen über das 62-Kilometer-Rohr und dem heute komplettierten Antrag verflossen. Auch, weil Konzern und Behörden lange über die nötige Genehmigung uneins waren. Das ist entschieden - das Rohr braucht eine neue wasserrechtliche Erlaubnis. Betroffen vom Salz im Fluss sind alle Kommunen werraabwärts und entlang der Weser. Deshalb werden sie auch alle im Verfahren gehört. Experten im Regierungspräsidium rechnen mit einer hohen Zahl von Einwendungen.

Mittlerweile hat, wie zuvor in Hessen, auch Thüringens Landtag für ein neues Mandat des runden Tisches plädiert: Das länderübergreifend besetzte Gremium soll die Lösung der gesamten Salzproblematik in den Flüssen und umgebenden Gesteinsschichten weiter begleiten, forderte der Landtag in Erfurt.

Anfang Februar hatte der runde Tisch seine Arbeit mit einer Empfehlung zur Gesundung der salzbelasteten Flüsse zunächst beendet. Kernpunkt dieser Empfehlung: ein Abwasserrohr zur Nordsee - sprich die Verlängerung der gestern beantragten "kleinen" Leitung.

Zugleich fordert der runde Tisch ein Ende der seit etwa 100 Jahre gebräuchlichen Entsorgungswege für Salzabwässer aus der Kaliproduktion: Ein Auslaufen der Versenkung in den Untergrund auch fürs Werragebiet hat das Land schon mehrfach angekündigt. Der runde Tisch will sie "schnellstmöglich, spätestens ab 2020" eingestellt haben. Dasselbe gilt für die Einleitung der Salzfluten in die Werra.

Von Wolfgang Riek

Quelle: HNA

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