ICE und EC betroffen

Klimaanlagen-Ausfall: Die Saunazüge fahren wieder

Kassel. Kaum springt das Thermometer auf Werte jenseits der 30 Grad, kommen schlechte Nachrichten von der Deutschen Bahn. Am Mittwoch genauso wie im Sommer 2012, im Juni 2011 und - ganz extrem - im Juli 2010: Wenn’s draußen richtig heiß wird, streiken in deutschen Fernzügen die Klimaanlagen.

Und plötzlich sitzt man im Saunazug: Sechs ICE- und Eurocity-Züge wurden am Dienstag gestoppt - in Stuttgart, Mannheim, Dresden, Nürnberg und München. „Wir können aber nicht von größeren Problemen sprechen, da wir jeden Tag rund 1400 Züge im Fernverkehr einsetzen“, so ein Bahnsprecher.

Andererseits - man kennt die Statistik der Vorjahre - schließt die Bahn weitere Ausfälle von Kühlungen nicht aus. Bahnfahrer sollten früh checken, ob ihr Zug fahrplanmäßig fährt, heißt es. Bis draußen die Temperaturen sinken. Ganz so unbeholfen wie vor drei Jahren, als ein Saunazug in Bielefeld strandete und über Wochen Schlagzeilen machte sind die Bahner nicht mehr. „Wir setzen im Fall des Falles Reisende in Wagen um, wo die Klimatisierung noch funktioniert“, sagte ein Bahnsprecher auf Anfrage unsere Zeitung. Trinkwasser-Notvorräte würden bereitgehalten und für schlimme Fälle Betreuungskräfte an Bahnhöfen. Wenn alles nichts hilft, wird geräumt. Dann müssen Reisende auf andere Züge umsteigen.

Ansonsten, heißt es von der DB, seien Technikausfälle von 2 bis 3 Prozent auch in anderen Verkehrssystemen nichts Ungewöhnliches: Die Klimaanlagen der ICE 2 seien belastungsfähiger nachgerüstet, für ICE 1 und T liefen die Programme noch. Schneller gehe das nicht, weil man wegen Lieferengpässen sowieso darum kämpfe, genügend Züge auf die Schiene zu bekommen. Tatsächlich streitet die Bahn seit Jahren immer wieder mit den Lieferanten ihrer ICE - auch über Klimatechnik.

Geschwitzt wurde von Anfang an - schon der Start ins Tempo-250-Zeitalter 1991 rumpelte. Probleme mit den Toiletten, defekte Stromabnehmer, stotternde Hilfsmotoren oder schon damals nicht funktionierende Klimaanlagen brachten den Startfahrplan der neuen ICE tageweise gehörig durcheinander. ICE-Lokführer waren anfangs gern mit geöffnetem Seitenfenster und Fahrtwind-Kühlung fürs Cockpit unterwegs. Nicht jede Saunafahrt wird automatisch entschädigt. Im Zweifel den Mangel vom Zugbegleiter schriftlich bestätigen lassen und den Vorfall detailliert der Deutschen Bahn AG melden, rät die Schlichtungsstelle Nahverkehr. Und dann hoffen: „Eine Überweisung von 300 Euro ist ebenso drin wie die Ablehnung jeglichen Anspruchs.“

Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr

Hintergrund: Neue Züge sollen mehr vertragen

• Klimaanlagen in den ICE der Bahn sind nach Normen des Welteisenbahnverbands UIC ausgelegt. Bei der Bestellung wurde laut DB festgeschrieben, bis zu welcher Außentemperatur volle Kühlleistung erreicht werden muss: 32 Grad ICE1 (seit 1991) und ICE 2 (seit 1996) 35 Grad ICE T (Betriebsstart 1999) und ICE 3 (seit 2000) 40 Grad Neue Generation der ICE 3 (geplant ab 2011, fährt noch nicht) 45 Grad Intercity-Nachfolgezüge ICx (geplant ab 2015). (dpa)

27.000 Kunden Entschädigt

• Kollabierte Reisende, Menschen, die Mitte Juli 2010 in über 50 Fernzügen um Gesundheit und Leben fürchteten: Für die Bahn wurde das zum PR-Desaster.

• Bahnchef Rüdiger Grube musste sich im Bundestag erklären - in Sachen Entschädigung legte er unter öffentlichem Druck mehrfach nach: 500 Euro bekamen Reisende aus Saunazügen, die gesundheitliche Beeinträchtigungen glaubhaft machten, für andere gab es Gutscheine von 50 bis 150 Prozent des Fahrpreises.

• 27.000 Kunden wurden so bis September 2010 im Wert von vier Mio. Euro entschädigt. (dpa/wrk)

Quelle: HNA

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