"Es geht jetzt erst richtig los mit der Arbeit"

Sieg für Al-Wazir: Grüne stimmen Koalitionsvertrag mit großer Mehrheit zu

Frankfurt. Mit 74,2 Prozent haben Hessens Grüne den schwarz-grünen Koalitionsvertrag am Samstag nach mehrstündiger Debatte gebilligt. 1058 Mitglieder nahmen an der Abstimmung teil.

Der scheidende Parteichef und künftige Vize-Ministerpräsident Tarek Al-Wazir bedankte sich sichtlich gerührt bei der Basis:

"Man fühlt sich so, als müsste man ein halbes Jahr in Ulaub fahren. Aber es geht jetzt erst richtig los mit der Arbeit."

Schon während der insgesamt sehr sachlichen Diskussion war deutlich geworden, dass das Verhandlungsergebnis auf große Zustimmung stoßen würde. Es gab letztlich nur vereinzelte Gegenstimmen, denen die Kompromisse nicht gefielen. Insbesondere ihnen hatte Al-Wazir zuvor zugerufen, „wir als hessische Grüne bleiben wie wir sind. Wenn ihr zustimmt, wird Hessen viel grüner werden.“

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Eine Einschätzung, die viele teilten, auch wenn etliche der knapp 40 Redner trotz Zustimmung auf Mängel hinwiesen, etwa bei den Vereinbarungen zum Frankfurter Flughafen. Gerade im Umweltbereich sahen viele Mitglieder die Chance, grüne Inhalte umzusetzen. Das geplante Fracking-Verbot, der Schutz des Bannwaldes, aber auch das Sozialbudget bekamen jede Menge Lob. Die Frankfurter Landtagsabgeordnete Martina Feldmayer, in der Fraktion für Landwirtschaft zuständig, meinte, „die CDU gibt Vollgas für einen Öko-Aktionsplan mit uns.“

Eine junge Tierschützerin aus Offenbach konnte ihre Begeisterung über die Vereinbarungen kaum zügeln: „Ich heul gleich“, rief sie begeistert, „ein Traum wird wahr“. Eine andere fand den Vertrag „solide, aber ohne Visionen.“ Das werde die Partei bei der nächsten Wahl viele Stimmen kosten. Pragmatisch dagegen die ältere Generation. Jochen Vielhauer, schon vor 31 Jahren dabei, als die Partei mit Holger Börner (SPD) haderte, meinte schlicht: „CDU-ler haben sich verändert.“

Die Grünen wohl auch: „Auch bei einem grünen Innenminister wäre die Polizei kaum im Jogging-Anzug gekommen“, hielt Vielhauer einer Parteifreundin entgegen, die sich über „die volle Prügelmontur“ der Polizisten vor der Tür der Stadtwerke beschwert hatte. Die Demonstration der Fluglärmgegner dort verlief allerdings friedlich von verbalen Attacken gegen die Koalitionäre abgesehen.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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