Bundesregierung kappt Förderung um 70 Prozent - Nordhessen gründen Bündnis

Soziale Stadt steht auf der Kippe

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Beispiel für eine Soziale Stadt: Im südniedersächsischen Hann. Münden läuft das Programm gerade aus. Während seiner Laufzeit wurden Teile der Altstadt saniert und ein Nachbarschaftszentrum eingerichtet. Bildungsangebote, Stadtteilfeste und ein Bürgertreff brachte die Menschen näher zusammen. Wie es mit dieser Arbeit weitergehen soll, ist nun offen.

Marburg / Kassel. Soziale Brennpunkte gibt es in ganz Hessen: Triste Hochhäuser, verdreckte Spielplätze, heruntergekommene Straßen und Menschen, die oft am Rand der Gesellschaft leben. 25 solcher Brennpunkte haben in der Vergangenheit von dem Programm „Soziale Stadt“ in Hessen profitiert - unter ihnen beispielsweise Kassel, Spangenberg, Schwalmstadt, Gemünden (Wohra), Eschwege.

Gestern haben Kommunalpolitiker und Wohlfahrtsverbände das „Bündnis für Soziale Stadt Hessen“ gegründet. Das zu je einem Drittel von Bund, Land und Kommunen finanzierte Programm steht nämlich vor dem Aus.

Die Bundesregierung hat für 2011 eine Kürzung der Förderung um 70 Prozent beschlossen. In Hessen stehen in diesem Jahr nur noch 4,2 Millionen Euro zur Verfügung. 2010 waren es noch knapp 14 Millionen Euro. „Das ist ein Skandal zulasten derer, die ohnehin wenig haben“, sagt Wolfgang Gern von der Liga der freien Wohlfahrtsverbände: „Rettungsschirme gibt es für Banken, aber nicht für soziale Stadtentwicklung.“

18 Kommunen dabei

Zu den Gründungsmitgliedern zählen 18 Kommunen. Aus Nord- und Mittelhessen waren Kassel, Eschwege, Marburg, Gießen, Wetzlar, Lollar und Stadtallendorf dabei. Gemeinsam mit 24 Vereinen und Verbänden wollen sie für das Programm werben. Zu den Initiatoren zählt Marburg: Hier wurde der Stadtteil Richtsberg schon 1999 in das Programm „Soziale Stadt“ aufgenommen. In dem einstigen sozialen Brennpunkt wurden nicht nur Fassaden gestrichen, Spielplätze, Spazierwege, Trimm-Pfade und ein Klassenzimmer im Wald gebaut, sondern auch ein Kulturzentrum eingerichtet. Dort trainiert der Boxklub neben dem Christustreff, während der Islamische Kulturverein einen Arabischkurs für Kinder anbietet.

Die Menschen treffen sich in Gemeinschaftsgärten, bei Kochkursen, Festen und Wandertagen. „Heute wohnen die Menschen gern am Richtsberg“, erklärt die Marburger Koordinatorin Susanne Hofmann. Vandalismus, Einbrüche und Schlägereien sind dort inzwischen nicht häufiger als in anderen Stadtteilen Marburgs.

Das ist auch das Ziel des Programms: Soziale Brennpunkte sollen zu normalen Stadtteilen werden. Ein zentraler Punkt ist die Beteiligung der Bürger, die immer mit entscheiden. Marburg würde nach dem Auslaufen des Programms auf dem Richtsberg gern auch das Waldtal und den Stadtwald fördern.

Auch andere Kommunen wollen weitere soziale Brennpunkte anmelden. Doch dafür wird bald kein Geld mehr da sein. KOMMENTAR

Quelle: HNA

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