Sozialminister will Kindern Einschulung erleichtern

+
Bauarbeiten im Sandkasten der Kindertagesstätte Villa Kunterbunt in Neukirchen (Schwalm-Eder-Kreis): Kindern soll der Übergang zur Schule erleichtert werden.

Wiesbaden. Der Ernst des Lebens beginnt längst nicht erst am ersten Schultag - diese Erkenntnis ist auch in der Politik angekommen, seit die erste Pisa-Studie im Jahr 2000 ganz Deutschland schockte.

Nur Platz 21 von 32 getesteten Nationen hatte man erreicht. Seitdem ist viel passiert und Hessens Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) will mit einem neuen Projekt den Übergang vom Kindergarten in die Grundschule verbessern. Soziale Kompetenz, sprachliche und motorische Entwicklung sowie das Lernen lernen sollen schon möglichst früh gefördert werden. Denn etwa ein Viertel aller Kinder braucht beim Übergang in die Schule besondere Unterstützung, sagt Grüttner

Stefan Grüttner

In Hessen sollen Erzieherinnen und Erzieher deshalb schon Vierjährige intensiv beobachten, Stärken und Schwächen dokumentieren, die Eltern und die Grundschule einbeziehen und damit die Voraussetzungen für eine individuelle Förderung schaffen. Den Rahmen bildet der Erziehungs- und Bildungsplan für Kinder im Alter von 0 bis 10 Jahren, der seit 2009 Grundlage der Arbeit in Kitas und Grundschulen ist.

Allerdings: Grüttner will die „Qualifizierte Schulvorbereitung“ zunächst erproben. 30 Teams aus je zwei Kindergärten und einer Grundschule können sich bis zum 11. April bewerben. Den Mehraufwand will der Minister honorieren: Die Kitas erhalten für jedes teilnehmende Kind 300 Euro im Jahr sowie einmalig 100 Euro für die Einschätzung des Entwicklungs- und Sprachstandes. Die Grundschule erhält 1,25 zusätzliche Lehrerwochenstunden. Knapp fünf Millionen Euro soll das Modellprojekt 2012 kosten.

Wissenschaftliche Begleitung

Nach 2014 soll das Projekt, das von zwei Instituten wissenschaftlich begleitet und außerdem von einer Projekt-Agentur unterstützt wird, auf ganz Hessen übertragen werden. Im Regelbetrieb wird es laut Grüttner allerdings keine zusätzliche Förderung geben.SPD und Grüne kritisierten, dass Grüttner zunächst ein Modellprojekt starten will.

Über 500 Tandems aus Kitas und Grundschulen arbeiten in Hessen bereits zusammen. Auch sei die individuelle Förderung Bestandteil des Erziehungs- und Bildungsplans. Indirekt hatte Grüttner selbst die Begründung für seinen Vorstoß geliefert: Mit dem Modellprojekt wolle er noch in dieser Wahlperiode ein Vorhaben des Koalitionsvertrages mit der FDP abarbeiten. Das hieß Kinderschule, betraf entgegen dem Bildungs- und Erziehungsplan das letzte Kindergartenjahr und war von der CDU nur zähneknirschend akzeptiert worden. Aber über Begriffe wolle man jetzt nicht streiten, so der Minister.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Hintergrund:

• Entwickelt wurde der Bildungs- und Erziehungsplan bis 2005 federführend von dem Erziehungswissenschaftler Prof. Wassilios Fthenakis. Ziel ist es, schon früh die Grundlagen für eine erfolgreichen Bildungsverlauf eines Kindes zu legen. Die Zusammenarbeit zwischen Kitas und Grundschulen ist dabei besonders wichtig und soll nun intensiviert werden.
• Über 2000 der rund 50.000 Erzieherinnen in Hessen haben sich bislang für die Umsetzung des Plans fortgebildet. (wet)

Quelle: HNA

Kommentare