Spannung vor Bischof-Brief - Kritik an Tebartz-van Elst hält an

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Limburg. Rücktrittsforderungen, Ermittlungen - und Schweigen in Rom und Limburg. Die Kritik an Bischof Tebartz-van Elst wird immer heftiger, jetzt wenden sich auch die Bischöfe ab. Am Wochenende will der Limburger seine Sicht der Dinge darstellen.

Die Kritik am Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst reißt nicht ab: Hart geht das Zentralkomitees der deutschen Katholiken ins Gericht mit dem Bischof, der scheidende Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) forderte ihn auf, Konsequenzen aus den Vorgängen in seinem Bistum zu ziehen. Tebartz-van Elst steht wegen extremer Kostensteigerungen bei seinem neuen Bischofssitz in der Kritik. Zudem beantragte die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen ihn einen Strafbefehl wegen Falschaussage. An diesem Wochenende will sich der Bischof äußern.

Das Verhalten des Kirchenmannes schade der gesamten Glaubensgemeinschaft, kritisierte der Generalsekretär des Laiengremiums der Katholiken, Stefan Vesper, am Freitag im ARD-Morgenmagazin. „Wegen dieser Affäre und wegen dieser Nachrichten von Prunk und Protz treten auch Menschen aus der Kirche aus in Hamburg oder in München.“ Die katholische Kirche sei für die schwachen, kranken und armen Menschen da. Mit solchen Schlagzeilen in Verbindung gebracht zu werden, schade aber allen: „Das ist nicht die katholische Kirche.“

Vertrauen schwer erschüttert

Auch Thierse ging den Bischof hart an: „Auch ein katholischer Bischof, obwohl vom Papst ernannt, bedarf des Vertrauens der Gläubigen seines Bistums“, sagte der SPD-Politiker der Tageszeitung „Welt“ (Freitag). Thierse ist auch Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Das Vertrauen sei offensichtlich so schwer erschüttert, „dass Bischof Tebartz-van Elst Konsequenzen ziehen sollte - um der Kirche willen, der er doch dienen soll und die nicht seine Pfründe ist“, sagte Thierse.

Am Vortag hatte sich bereits der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, ungewöhnlich deutlich von Tebartz-van Elst distanziert. Er will den Fall im Vatikan zur Sprache bringen. Über eine Amtsenthebung des Bischofs muss letztlich Papst Franziskus entscheiden. Mit ihm möchte Zollitsch kommende Woche in Rom über den Vorgang sprechen.

Der Sprecher des „Hofheimer Kreises“ von 20 kritischen Pfarrern, Ludwig Reichert, sagte der Nachrichtenagentur dpa, der Glaubwürdigkeitsverlust des Bischofs sei inzwischen so groß, dass alle der Meinung seien, er solle gehen. „Bei allen, mit denen ich spreche, herrscht unisono blankes Entsetzen und große Verzweiflung“, sagte der Caritas-Pfarrer. Er bezweifle, dass der Bischof von sich aus darum bitte, vom Amt entbunden zu werden. Daher sei es gut, wenn der Papst ihn anriefe und auffordere, dies zu tun.

Brief am Wochenende

Auf Forderungen nach einem Rücktritt ist der Bischof bislang allerdings nicht konkret eingegangen. In einem Interview mit der „Bild“-Zeitung kündigte er an, sich am Wochenende in einem Brief an die Gläubigen des Bistums zu wenden. Er wolle darin „manches klarstellen“.

Ärger im Bistum, Druck von der Justiz: Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat einen Strafbefehl wegen Falschaussage gegen Tebartz-van Elst beantragt. Dem Bischof wird vorgeworfen, im Streit mit einem Journalisten im Zusammenhang mit einem Erste-Klasse-Flug nach Indien falsche eidesstattliche Erklärungen abgegeben zu haben. Die Staatsanwaltschaft Limburg prüft nach mehreren Anzeigen, ob sie ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue einleitet. Hintergrund ist die Explosion der Kosten für den neuen Bischofssitz, die sich auf 31 Millionen Euro summieren. (dpa)

Quelle: HNA

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