Leserwissen um alte und neue nordhessische Begriffe entpuppt sich als Renner - Mitmachen noch möglich

Spaß mit dem Wutzenschnuppen

Einige Beispiele für nordhessische Begriffe zeigt dieses Bild. Mittlerweile wird gestritten, ob der in Nordhessen Schmand genannte Rahm nicht doch „Schmant“ geschrieben wird. Montage: Eva Trolp

Kassel. Schweinegrippe gibt es nicht mehr in Nordhessen. Ab sofort heißt die Krankheit Wutzenschnuppen. Die Wortschöpfung, die als eine von vielen Einsendungen der Leseraktion „Wir retten die nordhessischen Mundarten“ die Redaktion erreichten, hat für mächtig Spaß gesorgt - obwohl die Krankheit ja eine ernste Angelegenheit ist.

Freude und Spürsinn, Liebe zur nordhessischen Heimat und starkes Interesse an der Aktion sprechen aus Zuschriften und E-Mails. Wilfriede Mattstedt aus Kassel beispielsweise hat vor Jahren sogar einen Sprachwissenschaftler auf die Spur der „Storzenieren“ gesetzt, weil sie sich nicht erklären konnte, wie dieses Wort zustande gekommen ist. Des Sprachforschers Ergebnis: Storzenieren sind die nordhessische Verballhornung der lateinischen scorza nera - was nichts anderes als schwarze Wurzel bedeutet. Die gab es unter dem Begriff Storzenieren auch bei der Kasseler Tante von Ursula Prestor aus Habichtswald.

Auch Karl Thiel aus Hebeln bei Wabern im Schwalm-Eder-Kreis kennt die Storzenieren noch. Er erinnert sich, dass die Wurzeln früher in Erde gelagert, im Winter geschrabbt, in Milch eingelegt nach dem Kochen zur Köstlichkeit wurden.

Einen anderen Ausdruck müssen die Spezialisten der Gesellschaft für nordhessische Mundarten (GNM) um ihren Vorsitzenden Roland Siebert noch genauer unter die Lupe nehmen, weil Schreibweise, Aussprache und Herkunft offenbar noch nicht restlos geklärt sind. Es dreht sich um das „Aberhemdchen“ oder „Awarammchen“. Das ist nach Angaben von Karl Thiel aus Hebeln und Manfred Wickert aus Kassel ein kleines, ungewöhnlich scharfes Küchenmesser mit einer gebogenen, etwa acht Zentimeter langen Klinge, das zum Schälen eingesetzt wird. Auch Monika Schlosser aus Wabern kennt es - allerdings unter dem Namen „Aberemchen“. Da wird also noch Aufklärungsarbeit von den Mundartspezialisten, mit denen wir die Aktion gestartet haben, zu leisten sein.

Viele der bislang eingegangenen Nordhessen-Worte drehen sich im weitesten Sinne um die Ernährung. So heißt beispielsweise das Sauerkraut im Raum Burgwald Sühre Müs. Das weiß jedenfalls Hans-Jörg Finger aus Bottendorf im Kreis Waldeck-Frankenberg zu berichten. Und der weiß auch, dass man bei diesem Wetter draußen besser eine Strumbatzel trägt. Das nämlich ist eine Strickmütze.

An die gute alte Bleiche erinnert sich Günther Rehrmann aus Kassel. Das ist kein chemischer Stoff, sondern ein meist gepflegtes Rasenstück, auf dem früher die noch feuchte Wäsche zum Trocknen ausgelegt wurde. Das sollte dem Vergilben der Textilien vorbeugen - und hat geklappt.

Im Internet beklagt sich der „kleine Wasserfall“, dass das Strünkchen aus dem Sprachgebrauch verschwunden sei. Dem schließt sich Irene Wagner an, vergeblich versuchte, sich Strünkchen-Samen zu besorgen. Aber „Werner“ hat ihr geholfen - natürlich per Internet. Dort gibt es nämlich jede Menge Samenshops, die auch Strünkchensamen anbieten. • Weiter mitmachen: Coupon ausfüllen und einsenden oder im Netz herunterladen unter www.hna.de/hessen

Von Jürgen Umbach

Quelle: HNA

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