Portrait: Mit Roland Koch verlässt auch Regierungssprecher Dirk Metz die Wiesbadener Bühne

Stimme seines Herrn verstummt

Seite an Seite: Ministerpräsident Roland Koch und sein Regierungssprecher Dirk Metz arbeiten seit elf Jahren zusammen. Metz gilt als Kochs Einflüsterer, ist bei allen Terminen des Regierungschefs dabei. Nun tritt er gemeinsam mit ihm ab. Fotos: dpa/pdh

Wiesbaden. Über den Noch-Ministerpräsidenten und den Noch-Regierungssprecher kursiert ein Witz: Wenn bei Roland Koch morgens in Eschborn der Wecker klingelt, wacht Dirk Metz in Hofheim auf. Das sagt viel aus über die Zusammenarbeit der beiden Freunde.

Denn wo immer Roland Koch auftauchte in den elf Jahren seiner Amtszeit, war Dirk Metz an seiner Seite. Somit ist es konsequent, dass auch der 53-jährige Staatssekretär mit dem Ausscheiden Kochs sein Amt als Regierungssprecher abgibt. Er will Kochs designiertem Nachfolger Volker Bouffier die Möglichkeit geben, neue Akzente zu setzen, sagt er. Das gehöre sich für ihn so.

Kein Regierungssprecher in Deutschland ist so lange im Amt wie Metz und wohl keiner kennt seinen Chef so genau. Wenn Roland Koch in Talkshows sitzt, ist Dirk Metz im Publikum. Wenn der Ministerpräsident auf Außenterminen ist, steht der Regierungssprecher in seiner Nähe.

Koch sucht oft den Blickkontakt mit ihm, ein unmerkliches Nicken oder ein Augenzwinkern signalisieren, wie die Botschaften ankommen und ob er noch draufsatteln muss. „Roland Koch sieht mir an, was ich denke, und umgekehrt“, erzählte Metz einmal der „Frankfurter Allgemeinen“.

Kennengelernt haben sich die beiden Anfang der Achtzigerjahre in Siegen, der Heimatstadt von Metz. Metz war damals Kreisvorsitzender der Jungen Union, Koch Vize der Jungen Union. Seitdem ist die Rollenverteilung der beiden klar. Metz steht im Hintergrund. Was er keineswegs als Nachteil empfindet.

Gelernter Journalist

Der Noch-Regierungssprecher ist gelernter Journalist. Er volontierte bei der Siegener Zeitung und arbeitete dort später als Redakteur. Nach einem Studium der Politischen Wissenschaften wurde er Pressesprecher bei der Hamburger CDU, danach ging er als Redakteur zum Westfalen-Blatt nach Bielefeld. Später wurde er Sprecher der hessischen CDU-Fraktion, seit der Wahl Kochs zum Ministerpräsidenten 1999 ist er Regierungssprecher und Staatssekretär.

Der verheiratete Vater dreier Kinder feierte mit der CDU Wahlsiege, musste aber auch bittere Schlappen einstecken. Die schlimmsten waren wohl der Spendenskandal der Union vor zehn Jahren und die Wahlschlappe am 27. Januar 2008.

Beschleunigt wurde vor jener Wahl der Abrutsch der CDU durch die Sätze Roland Kochs über den Umgang mit kriminellen Jugendlichen unter 14 Jahren. Aus einer Interviewpassage leiteten SPD und Grüne die Schlagzeile „Jetzt will Koch auch Kinder in den Knast stecken“ ab. Bei der Autorisierung dieses Interviews hat sich Metz wohl einen Schnitzer erlaubt, was ihn selbst am meisten ärgerte.

Der sportbegeisterte, bekennende Schalke-Fan und Hallensprecher der Handball-Nationalmannschaft versteht Politik auch als Wettkampf, bei dem es vor allem darum geht, zu gewinnen. Über seine Zukunft äußert er sich nur vage: Ihn erwarte „sicher irgendwo eine spannende Herausforderung“. So unpräzise waren Metz’ Statements bisher nicht.

Von Peter Klebe

Quelle: HNA

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