Streik der Lokführer: Cantus lahmt und Vectus steht

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Der Chef und die Streikenden: GDL-Vorsitzender Claus Weselsky ist nah dran an seinen Lokführern - wie auf dem Foto beispielsweise auf dem Bahnhof von Halberstadt (Sachsen-Anhalt).

Kassel / Frankfurt. Die E-Mails, die Sabine Herms in diesen Tagen versendet, lesen sich ähnlich wie Pegelstände bei Hochwasser: Die Pressesprecherin des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV) in Kassel versucht so genau wie es geht, aufzulisten, welche Züge ausfallen, ausgefallen sind oder welche sich verspäten wegen des 47-Stunden-Streiks der Lokführer.

Auch wenn heute um 2 Uhr erstmals Schluss ist mit Streik: Im Tarifkonflikt der Lokführer bleiben die Fronten verhärtet. Bei der Limburger Gesellschaft Vectus blieben am Freitag fast zwei von drei Bahnen im Depot, sagte eine Sprecherin der Hessischen Landesbahn (HLB), die Muttergesellschaft von Vectus. Bei der HLB selbst fiel jede dritte Verbindung dem Streik der Lokführer zum Opfer.

Wie üblich, so folgt auch dieser Arbeitskampf bestimmten Ritualen. Beispielsweise dem der sogenannten Erfolgsmeldungen: Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bezifferte die Ausfälle bei den insgesamt rund 20 bestreikten Bahnbetreibern auf 75 Prozent. Dagegen meldete die Cantusbahn, die nordhessische Bahntochter der Hessischen Landesbahn in Kassel: „Insgesamt konnten 88 Prozent aller Fahrten planmäßig bedient werden.“

Die Tonart der Streitenden wird härter. Gemeinsam mit anderen großen Bahnkonkurrenten und deren Tochtergesellschaften will die HLB der GDL einen Brief schreiben, in dem die Gewerkschaft zu Verhandlungen aufgerufen werden soll. „Dieses Mal werden wir den Brief auch an die Presse geben“, sagt eine HLB-Sprecherin. Denn: Die Bahnkonkurrenten wollten nicht länger mit ansehen, wie GDL-Chef Claus Weselsky die Behauptung verbreitet, sie seien nicht gesprächsbereit. Aussperrungen wie bei der Bahngesellschaft Veolia plant die HLB aber nicht.

Weil die Deutsche Bahn und die Keolis Verhandlungen mit der GDL wieder aufgenommen haben oder aufnehmen wollen, gibt es dort aktuell keine Streiks. Die GDL fordert Verhandlungen über eine einheitliche Bezahlung für alle 26 000 Lokführer.

Quelle: HNA

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