Studie: Zahl der Ganztages-Schüler in Hessen über Bundesschnitt

Frankfurt. Vier von zehn Schülern in Hessen besuchen einer Studie zufolge eine Ganztagsschule. Damit kommt der Ausbau des Angebots im Land voran, wie aus einer am Sonntag veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung (Gütersloh) hervorgeht.

Im Schuljahr 2011/2012 gingen 210 649 Kinder und Jugendliche oder 40 Prozent den ganzen Tag zur Schule, im Jahr zuvor waren es 37,6 Prozent gewesen. Hessen liegt damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von gut 30 Prozent, die westdeutschen Flächenländer führt es sogar an.

Schlusslicht ist das Land allerdings beim Angebot sogenannter gebundener Ganztagsschulen, bei denen anders als bei offenen Formen für alle Kinder dieselben Unterrichtszeiten gelten. Nur 3,1 Prozent der Schüler (Vorjahr: 2,8 Prozent) gehen den Bildungsforschern zufolge auf eine solche Schule, der Bundesschnitt liegt bei 13,7 Prozent. Dabei attestierten Wissenschaftler gebundenen Angeboten das größte Potenzial für mehr Chancengerechtigkeit, hieß es.

Laut einer Mitteilung von Bildungsministerin Nicola Beer (FDP) haben 917 Schulen im Land Ganztagsangebote. „Eine gerechtere Verteilung der Umsatzsteuerpunkte würde es Hessen ermöglichen, hier noch schneller voranzugehen“, erklärte sie. Allerdings dürfe es keinen Zwang zum Ganztag geben. „Wir müssen auch die Elternwünsche respektieren, die die Ganztagsschule für ihr Kind nicht wollen.“

Nach der Studie des Essener Bildungsforschers Prof. Klaus Klemm platziert sich Hessen mit seinem Ganztagsangebot insgesamt im oberen Mittelfeld, Klassenbester ist Sachsen mit 78,5 Prozent, Bayern belegt mit 11,4 Prozent den letzten Platz.

Das Angebot bleibt aber generell hinter der Nachfrage zurück, wie es weiter hieß. Im Jahr 2010 hatte infratest dimap im Auftrag der Bertelsmann Stiftung herausgefunden, dass sich 63 Prozent der Eltern Ganztagsangebote wünschen. 2012 sei dieser Wert laut einer Umfrage von TNS Emnid auf 70 Prozent gestiegen.

Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Stiftung, bekräftigte den Vorschlag, jedem Schüler einen Rechtsanspruch auf den Besuch einer Ganztagsschule einzuräumen. Zugleich würdigte er gebundene Angebote: Diese Schulform ermögliche es eher, zwischen Konzentrations- und Entspannungsphasen abzuwechseln.

In der offenen Ganztagsschule, in der den Schülern die Nutzung der Nachmittagsangebote freistehe, konzentriere sich der Unterricht weiterhin auf den Vormittag, während nachmittags nur Betreuung möglich sei. „Das mag berufstätigen Eltern entgegenkommen, dem Lernerfolg der Kinder hilft das weniger“, sagte er.

2012 hatte eine weitere Studie der Stiftung ergeben, dass es jährlich rund 610 Millionen Euro kosten würde, in Hessen die gebundene Ganztagsschule flächendeckend einzuführen. (dpa)

Quelle: HNA

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