Immer weniger Besucher auf Rezept: Hessens Heilbäder ringen um Kurgäste

Whirlpool in der Weser-Therme in Bad Karlshafen: Statt verordneter Kur genießen Gäste häufiger eine kurze Auszeit in Nordhessens Heilbädern. Foto:  Hessische Heilbäder/nh

Wiesbaden. „Erst Fango, dann Tango“, titelte der „Spiegel“ im Juni 1996, doch die typischen Kurzeiten früherer Jahre sind nicht nur in Hessens Kur- und Heilbädern längst vorbei.

Heute wenden sich die 30 Orte, die zu dieser Kategorie gehören, vornehmlich an den gesundheitsbewussten Privatgast, der nicht mehr die dreiwöchige Kur der Kranken- oder Rentenkasse bekommt, sondern lieber drei- mal pro Jahr ein paar Tage etwas für Körper und Seele tun will. Hinzu kommt, dass viele der verbliebenen Kuren von den Kassen heute lieber im Ausland, etwa in Tschechien oder Ungarn angeboten werden, wo die Personalkosten niedriger sind.

Nicht alle Orte haben den Strukturwandel gleich gut bewältigt, nun will der Hessische Heilbäderverband mit einer Kampagne für Auftrieb sorgen. „All you need is Kur“ heißt das Motto, das bewusst auf die alte Bezeichnung setzt. Geschäftsführerin Almut Boller und der Verbandsvorsitzende Ronald Gundlach, früherer Bürgermeister der Kurstadt Bad Sooden-Allendorf, stehen zu dem etwas angestaubten Begriff Kur. Reha sei eben etwas anderes und unter Wellness firmiere inzwischen zu vieles. Die „neue Kur“ dagegen soll den Selbstzahler locken, meint Gundlach und verweist auf die „hohe medizinische Kompetenz“ der Bäder, die bereits mit unterschiedlichsten Pauschalangeboten werben.

Land unterstützt Kurorte

Unterstützung finden die Heilbäder bei der Landesregierung, die laut Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) seit dem Jahr 2000 rund 41 Millionen Euro aus EU-, Bundes- und Landesmitteln für touristische Investitionen in den Kurorten beigesteuert hat. Hinzu kämen jährlich 11,5 Millionen Euro aus dem kommunalen Finanzausgleich.

Besonders profitiert davon hat der nord- und osthessische Raum, wo 12 der 30 hessischen Kurorte zu finden sind darunter mit Bad Wildungen das größte Kurbad des Landes. Laut Posch entfallen rund 28 Prozent der 27 Millionen Übernachtungen in Hessen auf die Kurorte, die somit ein wichtiges Standbein des hessischen Tourismus darstellten.

65 000 der 200 000 Vollzeitarbeitsplätze stellten die Kurorte der Region Nordhessen mit ihren über 100 Kliniken und rund 1500 Praxen. Insgesamt werde dort ein jährlicher Umsatz von fünf Milliarden Euro erzielt, berichtete der Minister.

Informationen im Netz: www.hessische-heilbaeder.de und www.die-neue-kur.de

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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