Tarifverhandlungen im hessischen Einzelhandel vertagt

Frankfurt/Main. Die Tarifverhandlungen für die rund 156 000 Beschäftigten im hessischen Einzelhandel sind am Mittwoch wie erwartet ohne Ergebnis vertagt worden.

Bei den Gesprächen in der ersten Verhandlungsrunde hätten beide Seiten vor allem ihre unterschiedliche Sicht der wirtschaftlichen Lage im Handel dargelegt, sagte ein Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi: „Die Unternehmer jammern, und wir haben statistisch nachgewiesen, dass der Einzelhandel sehr viel Geld verdient hat.“

Die Gewerkschaft fordert eine Lohnerhöhung um sechs Prozent oder mindestens 120 Euro bei zwölf Monaten Laufzeit. Auch Auszubildende sollen sechs Prozent mehr bekommen. Zudem verlangt Verdi für Leiharbeiter gleichen Lohn für gleiche Arbeit.

Die Arbeitgeber bewerteten die Lohnforderung als „unverhältnismäßig“. Der Einzelhandel erwarte für 2011 ein nominales Umsatzwachstum von 1,5 Prozent. „Real bedeutet dies Stagnation“, sagte Arbeitgeber-Sprecher Rainer Marschaus vom Handelsverband HDE.

Verdi-Verhandlungsführer Bernhard Schiederig sagte, der spürbare Aufschwung müsse sich auch in der Lohntüte der Beschäftigten widerspiegeln. Schließlich seien sie maßgeblich verantwortlich für die guten Umsätze und die satten Gewinne im Handel.

Marschaus warnte vor überzogenen Forderungen. Dies könne die zuletzt stabile Beschäftigung in der Branche gefährden. Zuletzt habe der Einzelhandel durch eine verantwortungsbewusste Tarifpolitik maßvolle, für beide Seiten vertretbare Entgeltsteigerungen für seine Beschäftigten ermöglicht, sagte Marschaus: „Ein Nachholbedarf an Entgelterhöhungen besteht somit nicht.“

Verdi hatte die Lohn- und Gehaltstarifverträge zum 31. März gekündigt. Die Tarifgespräche werden am kommenden Mittwoch (9. März) in Frankfurt fortgesetzt.

dpa/lhe

Quelle: HNA

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