Migros hat Interesse an Fuldaer Einzelhandelsunternehmen

Tegut verhandelt über Verkauf an Großhändler

Fulda. Viele Wochen wurde dementiert, ob die Fuldaer Lebensmittelgruppe Tegut Verkaufsabsichten hege. Nun die Kehrtwende: Wolfgang Gutberlet (68), Inhaber von Tegut, bestätigte gegenüber der Lebensmittelzeitung Verhandlungen mit der Schweizer Genossenschaft Migros Zürich.

Migros ist ein Großhändler mit umgerechnet 20,46 Milliarden Euro Umsatz.

Vieles spricht dafür, dass Tegut einen neuen Besitzer bekommt, auch wenn sich Sprecherin Andrea Rehnert am Freitag in der Fuldaer Tegut-Zentrale bedeckt gab: „Da die Gespräche zurzeit ergebnisoffen geführt werden, geben wir dazu keine Stellungnahme ab.“

Die Tegut-Gruppe zählte im vergangenen Jahr 312 Märkte in Nord- und Osthessen, in Teilen von Thüringen, Südniedersachsen und Bayern. Der Umsatz lag bei 1,16 Milliarden Euro. Thomas Gutberlet hatte aber unlängst in der Fuldaer Zeitung gesagt: „Wir haben kein Jahr für besonders gute Ergebnisse, und so nehmen wir in diesem Jahr auch Schließungen etwa von unrentablen Märkten vor. Aber Tegut befindet sich keineswegs in einer Krise.“ Über den Ertrag von Tegut ist nichts bekannt.

Die Gruppe, die zum Ende des Jahres 6353 Menschen beschäftigte, hat im September das operative Handelsgeschäft – im wesentlichen die Supermärkte – aus der Familien-Stiftung herausgelöst und die eigenständige „Tegut gute Lebensmittel Einzelhandels KG“ gegründet. Ende 2011 war Gutberlet Senior aus dem Vorstand ausgeschieden. Er soll seit längerem auf einen Verkauf hingearbeitet haben. Ein Familienzwist dürfte den Prozess beschleunigt haben. (mwe)

Hintergrund: Tegut-Chef Gutberlet war Trendsetter für Bio-Produkte

Bio-Produkte sind heute aus keinem Supermarkt mehr wegzudenken. Wolfgang Gutberlet entwickelte bereits vor 25 Jahren als Trendsetter den richtigen Riecher für gesündere Nahrungsmittel. 1982 erweiterte er als junger Chef die Warenpalette des Handelsunternehmens tegut um Bio-Waren - ein Meilenstein in der Erfolgsgeschichte der etwas anderen Supermarktkette.

Die Handelsgruppe mit Stammsitz in Fulda hat heute rund 300 Filialen in Hessen, Thüringen, Nordbayern und Südniedersachsen, beschäftigt knapp 6000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2006 einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Zehn neue Läden pro Jahr hat sich der Vorstandsvorsitzende als Expansionsziel gesetzt.

Werner Gutberlet bekam die Verantwortung für das von seinem Vater Theo 1947 gegründete Unternehmen 1973 übertragen. Der studierte Kaufmann führte tegut mit Innovationskraft und Forschergeist. Die Einführung von Bio-Waren im klassischen Lebensmittelhandel sei Anfang der 80er Jahre einzigartig in Europa gewesen, sagt Gutberlet, der zahlreiche Stiftungen, Tochterfirmen und ein Institut zur Qualitätsverbesserung und Weiterbildung gründete.

"Es ist möglich, ökologisches Engagement und wirtschaftliches Erfolgsdenken zu vereinbaren. Bio ist für mich keine Mode, schon gar nicht eine politisch begründete", erklärt der 63-Jährige, der bereits zahlreiche Auszeichnungen für sein Wirken erhielt. Mit Sohn Thomas arbeitet die dritte Generation am weiteren Erfolg. (dpa)

Quelle: HNA

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