Nun wollen zwei Sozialdemokraten Oberbürgermeister werden - und die CDU freut das

Tiefe Risse in Darmstadts SPD

Darmstadt. Rafael Reißer (52) hat zurzeit durchaus Grund zum Strahlen. Denn die Chancen des CDU-Landtagsabgeordneten aus Darmstadt, 2011 die 66-jährige SPD-Regentschaft in Hessens viertgrößter Stadt zu beenden, dürften gestern gestiegen sein.

Der Grund: Die innerparteilichen Auseinandersetzungen der Sozialdemokraten um Oberbürgermeister Walter Hoffmann, den der Vorstand für eine zweite Amtszeit nicht mehr nominiert hat, und die vergebliche Suche nach profiliertem Ersatz haben dazu geführt, dass der in Darmstadt als farblos geltende Bürgermeister und Kämmerer Wolfgang Glenz (SPD/58) überraschend seinen Hut in den Ring geworfen hat. Die freudlose Lage bei den Genossen könnte dem CDU-Mann also nutzen. Doch Reißer, im Stadtparlament Fraktionschef der CDU, vermeidet jede Häme. Menschliche Zerwürfnisse seien immer schwierig, sagt er. Außerdem weiß er, dass das Rennen keineswegs gelaufen ist. Denn auch die in Darmstadt traditionell sehr starken Grünen dürften bei der OB-Wahl mitmischen.

Entscheidung am 11. Mai

Wolfgang Glenz, seit 2001 SPD-Parteichef in Darmstadt und eigentlich in der Findungskommission der Partei, hat nach reiflicher Überlegung im Osterurlaub beschlossen, „dass wir auf jeden Fall jemanden haben müssen“. Deshalb gehe er selbst ins Rennen. Glenz kann durchaus verstehen, dass sich niemand findet von außerhalb, der gegen den Amtsinhaber der eigenen Partei antreten will. Denn der aus Arolsen stammende Hoffmann gibt keineswegs auf: „Ich werde beim Parteitag am 11. Mai kandidieren, daran hat sich nichts geändert.“ Was danach komme, werde man sehen. Ursprünglich hatte Hoffmann angekündigt, im Falle einer Niederlage als Einzelbewerber anzutreten.

Nun ist er aber optimistisch, er habe, so der OB gestern, viel Zuspruch für seine Arbeit bekommen: „Ich hätte mir das alles auch anders gewünscht, aber nun ist es eben so und die Partei muss entscheiden.“ Eine Initiative Pro Hoffmann hat sich in der SPD bereits formiert, sie hält es für falsch, bei der Wahl auf den Amtsbonus zu verzichten.

Glenz wiederum sagt, er sehe für sich „mehr Chancen als Risiken“. Und er erwarte, dass der Sieger am 11. Mai das Ergebnis auch akzeptiert: „Es wird keine Schlammschlacht geben. Wir tragen beide Verantwortung für die Stadt und arbeiten ja auch jetzt im Magistrat zusammen.“

Das sieht auch Walter Hoffmann so: „Wir sind Profis wenn es um die Sache geht. Menschlich ist es ein bisschen schwieriger.“

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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