Prozess um „Familienehre“ geht in neue Runde

Todesdrohung nach Vergewaltigung

Marburg. Weil sie versucht haben sollen, den Vergewaltiger einer 17-Jährigen, die von ihm schwanger war, zur Hochzeit mit dem Mädchen zu zwingen, ist gestern vor dem Marburger Landgericht ein Verfahren gegen drei Mitglieder einer türkischen Familie aus Stadtallendorf neu aufgerollt worden. Sowohl die in erster Instanz zu Bewährungsstrafen Verurteilten als auch die Staatsanwaltschaft hatten Berufung gegen das Urteil des Amtsgerichtes eingelegt.

Bundesweit war der erste Prozess in die Schlagzeilen geraten, weil eine Hauptbelastungszeugin drei Tage nach ihrer Aussage auf einem Autobahnparkplatz im Ruhrgebiet erschossen gefunden worden war. Sie war zur Tatzeit die Freundin des mutmaßlich bedrohten Türken aus Dortmund. Spekulationen kursierten, dass es sich um einen Racheakt der Stadtallendorfer Familie handeln könnte.

Letztendlich aber stellte sich heraus, dass der Mord nichts mit dem Marburger Fall zu tun hatte. Ein Cousin der jungen Frau, der zusammen mit ihrem Onkel den Mord begangen haben soll, ist inzwischen zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Hintergrund dieser Tat war wohl der westliche Lebensstil der Libanesin.

Die „Familienehre“ spielte laut Urteilsbegründung im Stadtallendorfer Fall eine große Rolle. Ende 2006 habe das Mädchen den Dortmunder über das Internet kennengelernt. Bald habe man sich getroffen. Im Januar 2007 habe der Mann sie vergewaltigt. Er ist deshalb rechtskräftig verurteilt, bestreitet die Tat aber nach wie vor.

Neu verantworten muss sich nun auch der 45-jährige Vater der vergewaltigten Frau. Er hat nach Meinung des Amtsgerichts die Eltern des Täters mit dem Tode bedroht und so 20 000 Euro „Wiedergutmachung“ erpresst. Der Prozess soll am 25. November fortgesetzt werden. (zhe)

Von Heiko Krause

Quelle: HNA

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