Der mächtige Staatskonzern will drei Jungunternehmer vom Markt klagen

Trio im Clinch mit der Bahn

Offenbach. Vor etwas mehr als zwei Jahren gründeten sie ihr Unternehmen. Seit fast genau einem Jahr haben sie deshalb mächtig Ärger. Und zwar mit der Deutschen Bahn AG. Das größte Staatsunternehmen der Republik will die Jungunternehmer vom Markt und aus ihrem Offenbacher Büro klagen. Denn Alexander Kuhr (27), Christian Janisch (28) und Ingo Mayr-Knoch (25) bieten billige Busfahrten quer durch Deutschland immer dann an, wenn sich genügend Mitfahrer für eine bestimmte Strecke interessieren.

Das ist dem Staatskonzern ein Dorn im Auge. Er wittert unlautere Konkurrenz. Auf eine Abmahnung folgte nach den Worten von Christian Janisch die telefonische Nachfrage, warum die Jungunternehmer nicht gleich freiwillig aufgeben wollten. Mittlerweile treffen sich Bahnanwälte und Busunternehmer fast regelmäßig vor Gericht. Die Materie, die vor dem Frankfurter Landgericht verhandelt wird, ist so komplex, dass noch immer kein Urteil vorliegt. Vorigen Freitag verstrich mal wieder ein geplanter Termin, weil die Kontrahenten seit Oktober vorigen Jahres die Justiz - zum Teil auch auf deren Wunsch - seitenweise mit Argumenten gegen beziehungsweise für den Verkehr mit Mietbussen bombardieren.

Noch kein neuer Termin

„Ein neuer Termin steht noch nicht fest“, sagt Christian Janisch, der unter den Jungunternehmern in Offenbach die Rolle eines Pressesprechers eingenommen hat. Trotz des Ärgers mit der Bahn hat er noch immer gute Laune: „Reich werden wir nicht. Für ein Süppchen reicht es, aber für den anschließenden Cappuccino nicht“, sagte Janisch jetzt unserer Zeitung.

Dabei findet die Idee von DeinBus.de immer mehr Anhänger und Fans, die das preiswerte Reisen lieben. Sechs bis zehn Fahrten organisieren die Kreativunternehmer wöchentlich. Immer wenn etwa zehn bis 30 Leute einen gemeinsamen Termin, Ausgangs- und Zielort haben, dann organisiert das Trio den nötigen Bus. Per Internet kann man geplante Fahrten einsehen und sich anmelden. Oder man plant selbst eine Fahrt und hofft auf genug Mitfahrer.

Während die Bahn darin einen genehmigungspflichtigen Fernbusverkehr sieht, sagt das Trio, es betreibe lediglich eine Busmitfahrzentrale. Und dafür habe sie eine Genehmigung - seit Juli 2009, ausgestellt vom Bodenseekreis in Friedrichshafen. Freiwillig wollen die drei von der Bushaltestelle die Segel vor der Bahn nicht streichen. Denn: „Da steckt auch wahnsinnig viel Herz drin“, sagt Janisch.

Von Jürgen Umbach

Quelle: HNA

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