Höher als der Kölner Dom: Turm liefert Winddaten aus 200 Metern

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Windparkanlage im Wald: Um Daten über die Effizienz solcher Projekte zu bekommen, wird am Rödeser Berg bei Wolfhagen ein 200 Meter hoher Messturm errichtet.

Wolfhagen. Das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (Iwes) in Kassel will im September den Bau einer 200 Meter hohen Windmessanlage am Rödeser Berg bei Wolfhagen (Kreis Kassel) realisieren.

Auf das Fundament und die untere Hälfte des Bauwerkes werden die oberen 100 Meter mit einem Hubschrauber aufgebaut, so Iwes-Projektleiter Doron Callies. Zum Vergleich: Der Kölner Dom ist 157,38 Meter hoch.

Der Standort sei sehr gut geeignet, um Windbedingungen im bewaldeten Mittelgebirge detailliert zu untersuchen. Ziel des Messprojektes ist es, grundsätzliche Erkenntnisse für den Bau von höheren Windenergieanlagen nahe bei und in Wäldern zu gewinnen.

Im Auftrag und mit Förderung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit erforscht das Fraunhofer-Institut die Windcharakteristika im bewaldeten Mittelgebirge und den Einsatz neuartiger laserbasierter Fernmesstechnik (Lidar) für die Windenergienutzung.

„Bisher werden Windenergieanlagen vor allem außerhalb bzw. im Abstand zu Wäldern errichtet. Ziel unseres Messprojektes ist es, Erkenntnisse für den Bau von höheren Windenergieanlagen im bewaldeten Mittelgebirge zu gewinnen“, sagte der stellvertretende Leiter des Iwes, Kurt Rohrig. Dafür würde eine in Deutschland einmalige Infrastruktur zur Erforschung von Windprofilen über Wäldern im hügeligen Gelände bis in große Höhen geschaffen.

Bereits seit November 2010 befindet sich ein Lidar-Messgerät am Standort des künftigen Messmastes, das kontinuierlich Windmessdaten zwischen 40 und 200 Metern Höhe aufzeichnet. Um aussagefähige Messergebnisse zu erzielen, werden die Lidar-Messdaten künftig durch den Vergleich mit den Daten des Messmastes korrigiert. Ziel der Forscher ist es, eine Methode zur Bestimmung der Windbedingungen an Binnenstandorten zu entwickeln, die in Deutschland und später international angewandt werden kann. Über die Kosten des Projektes machte das Institut aus Wettbewerbsgründen keine Angaben.

Die Messdaten aus dem Forschungsprojekt werden auch den Stadtwerken Wolfhagen zur Verfügung gestellt, die in der Nähe des Messmastes einen Windpark planen. Dagegen aber gibt es starke Proteste aus der Bevölkerung.

Von Jürgen Umbach

Quelle: HNA

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