TV-Kritik zum Tatort: "Dieser Krimi war ein Witz"

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Klara Blum (Eva Mattes) und ihr Schweizer Kollege Matteo Lüthi (Roland Koch).

Eva Mattes kann einem leid tun: Immer muss die tolle Schauspielerin im Bodensee-"Tatort" versuchen, schlechte Drehbücher zu retten. In "Winternebel" war das unmöglich. Die Handlung war völlig überfrachtet und der Film, der ein Thriller sein wollte, ein Witz. Die Kritik von Matthias Lohr.

Für SWR-Verhältnisse war dieser „Tatort“ eine Sensation. Normalerweise liegt nur eine Leiche am Ufer des Bodensees, wenn Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) ermitteln. Diesmal waren es aber zwei. Außerdem gab es ein totes Kind, eine entführte Tochter, einen durchgeknallten Kidnapper und Psycho-Eltern.

Wäre das Krimi-Genre Leistungssport, hätten Regisseur Patrick Winczewski und Autor Jochen Greve eine Medaille verdient, so aber war die Folge „Winternebel“ nur ein Witz. Die völlig überfrachtete Handlung hatte man schon am Ende der 90 Minuten vergessen.

Als der Entführer einen Campingwagen abfackelte, sah die Bodensee-Landschaft aus wie die Wüste in New Mexico. Das sollte wohl eine Hommage an die viel gelobte US-Serie „Breaking Bad“ sein. Hätten deren Autoren „Winternebel“ gesehen, würden sie sich wahrscheinlich fragen, ob sich kein ARD-Verantwortlicher das vorher mal anschaut.

So vieles war unfreiwillig komisch – etwa die Szene, als ein Dutzend Polizisten während der geheimen Lösegeldübergabe mit Tablet durch Konstanz lief, als seien die Beamten japanische Touristen. Die anschließende Verfolgungsjagd sah aus wie ein Wandertag des Hessisch-Waldeckischen Gebirgs- und Heimatvereins.

Ein Zeuge erzählte Perlmann diesen Witz: „Was spricht man in der Sauna?“ „Schwyzerdütsch.“ So in etwa war der Film.

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