Landeselternbeirat und Schülervertretung planen Petition gegen verkürzte Schulzeit

Unterschriften gegen G8

Unterricht: Die verkürzte Gymnasialzeit (G8) in Hessen steht seit Langem in der Kritik. Landeselternbeirat und Landesschülerrat machen jetzt mit einer Unterschriftenkampagne Front. Foto: dpa

Wiesbaden. Die Kritik an der gymnasialen Schulzeitverkürzung G8 lässt nicht nach, jetzt wollen der Landeselternbeirat (LEB) und der Landesschülerrat per Petition unter dem Motto „G8 - So nicht!“ Änderungen erzwingen. Gestern begannen beide Gremien mit einer groß angelegten Unterschriftensammlung, die bis zum 1. Juni laufen soll. Dann wollen Landesschulsprecher Tim Huß und die LEB-Vorsitzende Kerstin Geis die Petition an den Landtag übergeben.

Flexible Oberstufe gefordert

Ihr Ziel: Die Verkürzung der gymnasialen Mittelstufe um ein Jahr soll zurückgenommen und dafür eine flexible Oberstufe eingerichtet werden, in der man das Abitur nach der 12. oder der 13. Klasse ablegen kann. Ähnlich sieht es auch ein Modell der SPD vor. Die Grünen dagegen wollen parallel zu den G8-Schulen „neue Schulen“ mit mehr Zeit zum Lernen schaffen, die Linke will zurück zu G9.

Schon 2004/2005 hatten die ersten Schulen mit G8 begonnen. Seitdem ist der Protest von Eltern und Schülern, aber auch vielen Lehrern nicht abgebrochen. Die Verdichtung des Lernstoffes ausgerechnet in der ohnehin problematischen Pubertätsphase, noch dazu unzureichend vorbereitet, habe den Stress an den betroffenen Schulen massiv erhöht, klagten Huß und Geis. Für sportliche Aktivitäten etwa hätten viele gar keine Zeit mehr, so Huß.

Zwar seien inzwischen alle Gymnasien dem Titel nach Ganztagsschulen. Dies, so Huß, beziehe sich aber nur auf die tägliche Unterrichtsdauer. Die Rahmenbedingungen für echte Ganztagsschulen mit einem entsprechend rhythmisierten Unterricht seien nicht gegeben. Die Folgen von G8 seien schlechtere Lehr- und Lernqualität. Angesichts der Kürzungspläne im Bildungsbereich sei mit Verbesserungen nicht zu rechnen.

Geis wies zudem auf widersprüchliche Begleiterscheinungen hin: Einerseits müssten G8-Schüler, die nach der Mittelstufe einen mittleren Bildungsabschluss anstrebten, nach wie vor die zehnte Klasse besuchen, ansonsten erhielten sie aufgrund entsprechender Beschlüsse der Kultusministerkonferenz nach der 9. Klasse nur einen der Hauptschule ähnlichen Abschluss. Die Schülerbeförderungskosten würden bei G8 dagegen nur bis Klasse 9 übernommen. Viele Eltern sähen das als Benachteiligung an.

Den Petenten ist klar, dass die derzeitige Landesregierung kaum geneigt sein wird, ihrem Anliegen zu entsprechen. Gleichwohl wollen sie den Kampf gegen die verkürzte Mittelstufe nicht aufgeben. „Der Druck aus den Schulen ist groß.“

www.leb-hessen.de

www.g8-so-nicht.de

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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