Ministerpräsident Koch sieht Gelassenheit der letzten Stunde - Opposition geißelt Regierungschef als Schuldenkönig Hessens

Koch: Ein versöhnlicher Abschied vom Landtag

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Eine Vuvuzela für den scheidenden Ministerpräsidenten Roland Koch: SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel (rechts) überreichte den Krachmacher.

Wiesbaden. Als es im Landtag zum letzten Mal um ihn und seine Politik geht, hängt Roland Koch mehr auf seinem Sessel, als dass er sitzt. Ende August will der CDU-Ministerpräsident aus der Politik ausscheiden.

23 Jahre lang hat er dem Landtag angehört, elf Jahre lang in Hessen regiert. Die Debatte über seine Regierungsbilanz am Mittwoch hat die Opposition angezettelt.

Zunächst muss er einiges über sich ergehen lassen. Natürlich hat der SPD-Fraktionsvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel wieder ein kleines Geschenk mitgebracht, dass er fotowirksam überreicht. In der Haushaltsdebatte war es eine Holzrechenmaschine, diesmal ist es eine schwarz-rot-gelbe Vuvuzela. Ein Geschenk unter Fußball-Fans, aber auch verbunden mit Schäfer-Gümbels Hinweis, dass Koch oft mit wenig Aufwand heiße Luft produziert habe.

Politisch sei Koch immer ein Spalter gewesen, kritisiert der SPD-Chef. „Sie sind der Schuldenkönig Hessens“, sagte er, Kochs Abgang sei nichts als „Flucht vor der Verantwortung“. In die gleiche Kerbe haut auch Grünen-Fraktionschef Tarek Al-Wazir: „Ich verstehe, Herr Ministerpräsident, warum Sie jetzt gehen.“ Schäfer-Gümbel würdigt immerhin Kochs analytische Stärke in Finanz- und Wirtschaftsfragen. Er dankt auch für dessen großen Einsatz in der Politik, „für das, was Sie an Gesundheits- und Familieneinsatz eingezahlt haben“.

Nach einer Würdigung seiner Arbeit durch CDU und FDP spricht Koch. Die missmutige Miene ist verschwunden, lässig steht er am Rednerpult, vor sich nicht einmal ein Blatt mit Stichpunkten. Am besten verteidigt er sich immer noch selbst. „Ich habe nie solche Hilfsinstrumente gebraucht“, kommentiert er Schäfer-Gümbels Vuvuzela.

Koch ist versöhnlich gestimmt. Ein „kleines Element der Gelassenheit der letzten Stunde“ nimmt er für sich in Anspruch. Deshalb singt er ein Loblied auf den politischen Streit im Landtag. In einer lebendigen Debatte konkurrierten nicht nur die unterschiedlichen Argumente und Politikstile, sondern auch die Emotionen. „Ich finde, dass das hessische Parlament das rauflustigste in Deutschland ist“, lobt er folgerichtig. „Ich finde auch, dass es nicht das schlechteste ist.“

Diesem Schlusswort soll nur noch ein allerletztes folgen - bei Kochs förmlichem Rücktritt Ende August. (lhe)

Von Friedemann Kohler

Quelle: HNA

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