Volkszähler sammeln Daten - aber Rückporto zahlen sie nicht

Kassel. Der „Zensus 2011“ läuft - doch schon Tage vor dem Start der Volkszählung ist bei Hessens Statistischem Landesamt nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung“ die Hotline zeitweise zusammengebrochen.

Haus- und Wohnungseigentümer irritiert der „Zensus 2011“ besonders: Alle müssen drei Seiten lang Fragen zu ihrer Immobilie beantworten.

Für die Rücksendung haben die Statistiker einen DIN-A-4-Rückumschlag spendiert - mehr aber auch nicht. Das Porto („bitte ausreichend frankieren!“) sollen die Befragten selbst tragen. Warum eigentlich? Wieso verraten die Statistiker nicht wenigstens, was der Brief kostet? Muss man sich dafür erst am Postschalter anstellen? Und warum gehen die Zensusbögen an eine Firma im fränkischen Bamberg? Das sind laut Landesamt beliebte Fragen ans Hotline-Personal.

Wolf B., HNA-Leser aus Kassel, der die „Datensammelwut“ auch als Steuerzahler sowieso kritisch sieht, hat dem Statistischen Landesamt schriftlich ein Ultimatum gestellt: Er fordert einen Freiumschlag oder klare Auskunft, wo festgeschrieben ist, dass Volkszähler dem Volk die Portokosten anlasten dürfen. Und was auf den Brief muss, will er dann auch wissen.

Antwort des Landesamtes auf Anfrage unserer Zeitung: „Das Porto für den Versand des Fragebogens hat der Auskunftspflichtige zu übernehmen. Dies ist im Bundesstatistikgesetz Paragraf 15 Absatz 3 geregelt.“ Dort stehe, dass die Antwort, „soweit in einer Rechtsvorschrift nichts anderes bestimmt ist, für den Empfänger kosten- und portofrei zu erteilen“ sei. Die Firma in Bamberg lese die Bögen für Hessens Statistiker nur aus.

Und wieviel muss auf den Brief? „Das Porto beträgt 1,45 Euro.“ Ja, vielleicht sei es ein Schönheitsfehler, dass man das nicht gleich verraten habe, heißt es in Wiesbaden. Schließlich: Wer sich an 1,45 Euro für die Statistik störe, der könne ja ins Internet. Auch dort finden Haus- und Wohnungseigentümer ihre Bögen - zum Nulltarif.

Hintergrund: „Responseplus“: Rückreise garantiert

Was den reinen Postweg angeht, bliebe eine vom Absender unfrankierte Fragebogen-Rückantwort nicht liegen. Die sogenannten „Responseplus“-Briefe, mit denen die Bögen verschickt werden, sind ein Spezialangebot: Zugestellt würden sie den Datensammlern auch unfrankiert: „Sie zahlen nur für die Sendungen, die unfrankiert oder teilfrankiert von Ihren Kunden oder Interessenten zurückgesandt werden“, heißt es auf der Post-Internetseite. Allerdings haben Landesstatistiker durchblicken lassen, dass sie diesen Trick nicht gelten lassen. Man werde durch Unter- oder Nichtfrankierung entstehende Kosten zurückfordern, hieß es in Rheinland-Pfalz nach einem Bericht der Rhein-Zeitung. (wrk)

Quelle: HNA

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