Gute Erfahrungen mit begleitetem Fahren ab 17 - Posch: Aus Versuch soll Regel werden

Vorfahrt für Erfolgsmodell

Fahren mit Begleitperson: Seit 2006 gibt es in Hessen den Modellversuch für 17-Jährige. Verkehrsminister Dieter Posch macht sich dafür stark, den Modellversuch zum Regelfall werden zu lassen. Foto: dpa

Kassel. Das begleitete Fahren mit 17 gewinnt in Hessen immer mehr Freunde. Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) will sich deshalb beim Bund dafür starkmachen, das Projekt vom Modellversuch zum Regelfall hochzustufen. Der Modellversuch wurde im Jahr 2006 gestartet und ist zunächst bis Ende des Jahres 2010 befristet. Posch hofft auf eine Entscheidung aus Berlin spätestens im Sommer.

Beim begleiteten Fahren dürfen 17-Jährige, die zuvor Fahrunterricht hatten und die Prüfung bestanden haben, Auto fahren, wenn eine eingetragene Begleitperson neben ihnen sitzt (siehe Hintergrund). Auf diese Weise sollen sie bereits Fahrpraxis haben, wenn sie dann mit 18 Jahren allein ans Steuer dürfen.

Weniger Unfälle

Nach einer Auswertung des Verkehrsministeriums halten sich die jungen Fahrer besser an die Verkehrsregeln und sind in weniger Unfälle verwickelt als diejenigen, die den normalen Führerschein mit 18 Jahren gemacht haben. Auch die Durchfallquote bei der Fahrprüfung sei, so Posch, unterdurchschnittlich. Sie habe in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres bei 17,6 Prozent gelegen, das seien zehn Prozentpunkte weniger als beim herkömmlichen Verfahren. Nur zwölf 17-jährige Fahrer hätten in der Zeit von 1. Oktober 2008 bis zum 30. September 2009 die Fahrerlaubnis wegen grober Verstöße abgeben müssen.

Das Ministerium bewertet das Projekt als Beitrag zu mehr Verkehrssicherheit. Das zeigen auch die Unfallzahlen: Fahrer, die den Führerschein mit 18 ohne vorherige Begleitung gemacht hätten, hätten 1,3-mal häufiger Unfälle verursacht und würden doppelt so oft mit Alkohol oder Drogen am Steuer erwischt.

Auch der hessische Fahrlehrerverband ist zufrieden. Die Beteiligten seien weniger auffällig im Straßenverkehr. Das sei ein Zeichen, dass sie insgesamt vorsichtiger und umsichtiger unterwegs seien. Ähnliche Erfahrungen hat es auch in Niedersachsen gegeben, wo ein entsprechender Modellversuch bereits im April 2004 ins Leben gerufen wurde.

Die Zahl der jungen Fahrer ist in Hessen kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2007 haben 18 518 Jugendliche eine Fahrerlaubnis der Klasse B erworben, im Jahr 2009 waren es allein in den ersten neun Monaten bereits 22 772. Das seien in diesem Zeitraum 28 Prozent aller erteilten Führerscheine gewesen gegenüber 24,8 Prozent im Jahr 2007. Zahlen für das ganze Jahr 2009 liegen noch nicht vor.

Von Peter Klebe

Quelle: HNA

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