Eine 88-Jährige wacht seit 21 Jahren über einen Parkplatz und bessert so ihre Rente auf

Die wackere Gerdi

Ausdauer: Seit 21 Jahren weist die ehemalige Telefonistin Gerdi Fahrzeuge ein. Bei Wind und Wetter sitzt die 88-Jährige auf ihrem „Dienst“-Rollator. Foto: dpa

FRANKFURT. Wer zum ersten Mal auf Gerdis Parkplatz fährt, traut seinen Augen kaum. Bei Wind und Wetter sitzt die alte Dame auf ihrem Rollator unter einem Sonnenschirm, ein Glas Wasser immer neben sich, und zeigt den Gästen eines Frankfurter Restaurants, wo es langgeht. „Ich weiß genau, wie viele Autos nebeneinander passen, wenn alle brav einparken“, erzählt die 88 Jahre alte Parkplatzwächterin. Elf auf dieser Seite, fünf vor die Hauswand, wo „natürlich mit der Schnauze nach vorn eingeparkt werden muss“.

Die Wächterin über Autos und Parkplätze ist, wie sie selbst sagt, weit und breit nur als Gerdi bekannt. „Eigentlich heiße ich Gerda, aber irgendwann hat sich die Gerdi eingebürgert. Und da jeder mich so kennt, muss mein Nachname nicht in der Zeitung stehen“, meint sie. Seit 21 Jahren nimmt sie jeden Tag auf den Punkt genau um 17 Uhr ihren Platz ein, um in ihrem „Wohnzimmer für Zucht und Ordnung“ zu sorgen, wie auf einem Schild direkt neben ihr zu lesen ist. Und ihr Wohnzimmer ist groß. Motorräder werden von der 88-Jährigen an einen eigenen Platz gewiesen, denn sie meint: „Autos und Motorräder passen nicht zusammen. Da ist ganz schnell ein Rückspiegel ab.“

Auf die Idee, als Parkplatzwächterin ihre Nachmittage und Abende zu verbringen, kam Gerdi selbst. „Ich habe hier als Putzfrau gearbeitet und merkte schnell, dass es auf dem Parkplatz immer wild zuging“, erinnert sie sich. Kurzerhand habe sie vorgeschlagen, für Ordnung zu sorgen - sieben Tage die Woche, im Sommer und im Winter.

Richtig schön wird es für Gerdi, wenn die Mitglieder des Mercedes- oder Jaguarclubs sich im Restaurant treffen. „Dann habe ich lauter schöne Autos hier, das ist was fürs Auge“, sagt sie begeistert. Auch bei einem Spiel der Frankfurter Eintracht in der nur wenige Hundert Meter entfernten Arena macht der Rentnerin die Arbeit besonders viel Spaß. Es sei dann richtig was los auf dem Parkplatz, da viele Fans vorher im Restaurant essen, ihr Auto während des Spiels stehen lassen und es nach dem Abpfiff wieder abholen. „Dafür zahlen sie einen Euro“, sagt Gerdi, die an manchen Tagen mehr, an anderen Tagen weniger Trinkgeld bekommt. Damit bessert sie ihre schmale Rente auf. (dpa)

Von Petra Knobel

Quelle: HNA

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