Landesförderung für Privathochschule aus dem Rheingau im Parlament umstritten

Wiesbaden jetzt Uni-Stadt

Wiesbaden. Für CDU und FDP ist die Privathochschule European Business School (EBS) eine Bereicherung des Bildungsangebotes, für die Opposition ist die Tatsache, dass die EBS vom Land mit rund 24,7 Millionen Euro gefördert wird, zumindest derzeit ein Unding. Grund für die Förderung: Die in Oestrich-Winkel beheimatete Hochschule für Wirtschaft eröffnet in Wiesbaden eine juristische Fakultät und baut einen neuen Campus dafür.

Indes hat das Land gerade erst seinen eigenen Hochschulen 30 Millionen Euro aus den Rippen geschnitten. „Wenn man die toll ausgestattet hat, kann man sich überlegen, ob man sich noch einen Schnaps obendrauf genehmigt“, meinte der SPD-Politiker Gernot Grumbach gestern im Landtag. Aber jetzt sei die falsche Zeit dafür. Janine Wissler (Linkspartei) kritisierte, reicher Leute Kinder erhielten exklusive Studienplätze, während alle anderen sich in überfüllten Hörsälen drängen müssten.

Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) erklärte, anders als die anderen Unis bilde die EBS Law School speziell Juristen für die Wirtschaft aus. Diese würden gerade in Frankfurt gebraucht. Die zusätzlichen Studienplätze selbst zu errichten, sei teurer. Die von den Linken beantragte Aktuelle Stunde dazu bezeichnete sie als „eine Neiddebatte auf niederem Niveau“.

Die Stadt Wiesbaden ist derweil stolz, dass sie als letzte Landeshauptstadt den Titel einer Universitätsstadt bekommt, denn mit einer zweiten Fakultät darf sich die Hochschule nun Universität nennen. 2011 sollen die ersten 200 Studierenden in Wiesbaden ihr Studium beginnen, dessen Kombination aus klassischem Jurastudium und Wirtschaftsrecht „künftige Führungspersönlichkeiten“ noch besser auf die Herausforderungen ihres Berufsleben vorbereiten soll.

In der Landeshauptstadt bekommt die Uni nach einem vorübergehenden Domizil einen eigenen Campus auf dem Gelände des früheren, eher tristen Gerichtsviertels. Städtebaulich verspricht sich Wiesbadens Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) daher einen großen Gewinn. Auch die Stadt steuert zehn Millionen Euro bei, was zu heftigen Diskussionen im Jamaika-Bündnis im Rathaus geführt hatte.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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