Roland Koch wird Vorstandschef bei Bilfinger Berger

Mannheim. Hessens ehemaliger Ministerpräsident Roland Koch (CDU) wird neuer Vorstandschef des zweitgrößten deutschen Baukonzerns Bilfinger Berger.

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Das habe der Aufsichtsrat am Freitag entschieden, teilte das Unternehmen in Mannheim mit. Koch (52) wird dem Vorstand ab 1. März 2011 angehören und zum 1. Juli 2011 den Vorsitz des Gremiums übernehmen. Zu diesem Zeitpunkt wird der bisherige Amtsinhaber Herbert Bodner (62) nach zwölf Jahren als Vorsitzender in den Ruhestand treten.´

Bilder: Roland Koch im Porträt

Roland Koch im Porträt

„Die immer wieder bewiesene Führungskraft von Roland Koch ist die beste Voraussetzung, die sehr erfolgreiche Entwicklung von Bilfinger Berger fortzusetzen und das Unternehmen in eine gute Zukunft zu führen“, begründete der Aufsichtsratsvorsitzende Bernhard Walter laut Mitteilung die Entscheidung.

Koch selbst hat seinen Wechsel zu Bilfinger Berger gegen kritische Stimmen verteidigt. „Ich glaube in der Tat, dass wir in Deutschland eher eine bedauernswert geringe Tendenz zum Wechsel zwischen Wirtschaft und Politik haben. Ich glaube, dass darunter beide Seiten leiden“, sagte er am Freitag in einer Telefonkonferenz.

Der Erfahrungsaustausch sei durch nichts zu ersetzen. Koch versicherte, er habe während seiner Zeit als Ministerpräsident „in keinem einzigen Fall etwas mit Entscheidungen für oder gegen die Firma Bilfinger Berger zu tun“ gehabt. In seinem Fall seien die Voraussetzungen so, dass man einen Wechsel „sehr gut verantworten“ könne.

Die hessischen Grünen hatten wegen Kochs Wechsel ein „Geschmäckle“ gewittert. Er hatte in seiner Zeit als Ministerpräsident unter anderem die neue Landebahn am Frankfurter Flughafen durchgesetzt. Dabei baut auch Bilfinger Berger mit. Koch sagte, zwar sei er von 1999 bis 2003 Aufsichtsratsvorsitzender der Fraport AG gewesen. Aufsichtsräte vergäben aber keine Aufträge an Unternehmen. „Ich kann mich nicht erinnern, je mit einem solchen Fall zu tun gehabt zu haben.“

Koch hatte im Mai überraschend seinen Rückzug aus der Politik angekündigt und war Ende August nach elf Jahren an der hessischen Regierungsspitze aus dem Amt geschieden, um in die Wirtschaft zu wechseln. Vor ihm waren etliche andere Politiker in die Wirtschaft gewechselt, so Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). (dpa)

Hintergrund: Der Baukonzern Bilfinger Berger

Der Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger Berger ging 1975 aus der Fusion von drei Baugesellschaften hervor. Deren historische Wurzeln reichen teils bis ins Jahr 1880 zurück. Das in Mannheim ansässige börsennotierte Unternehmen ist das zweitgrößte deutsche Bauunternehmen nach der Hochtief AG (Essen). Bilfinger Berger hat das schwankungsanfällige Geschäftsfeld aber bereits reduziert und sich verstärkt auf Dienstleistungen konzentriert. Weltweit arbeiten rund 61 000 Menschen in rund 50 Ländern für Bilfinger Berger, davon 24 000 in Deutschland. Im vergangenen Geschäftsjahr setzte der Konzern rund 10,4 Milliarden Euro um. Etwa die Hälfte davon wurde mit Dienstleistungen in den Bereichen Immobilien, Infrastruktur und Industrieservice erwirtschaftet.

Dort reicht das Leistungsspektrum von der Beratung über die Entwicklung und Planung, aber auch Finanzierung oder Wartung eines Projekts. Der Gewinn des Konzerns ging deutlich von 200 Millionen Euro auf 140 Millionen Euro zurück. Auch bei einigen hessischen Großbauten spielt Bilfinger Berger eine maßgebliche Rolle: So betreibt der Konzern die Commerzbank-Arena in Frankfurt und baut an der neuen Landebahn des Flughafens mit. In Kritik geraten ist das Unternehmen wegen möglichen Pfuschs beim Bau der Kölner U-Bahn, durch den das Stadtarchiv einstürzte. Bilfinger Berger blickt trotz eines schwierigen wirtschaftlichen Branchenumfelds optimistisch in die Zukunft.

Nach Angaben vom August will das Unternehmen 2010 seine bisherigen Bestmarken aus dem Jahr 2008 übertreffen. Beim Gewinn vor Steuern und Zinsen peilt Bilfinger mindestens 300 Millionen Euro an, nach 173 Millionen im vergangenen Jahr. Der Gewinn - inklusive der australischen Tochter Valemus, die Bilfinger an die Börse bringen will - soll sich von 140 auf mindestens 250 Millionen Euro verbessern. Die Leistung aus fortzuführenden Aktivitäten soll von 7,7 auf rund 8 Milliarden Euro steigen.

Quelle: HNA

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