Tier lebte vor seiner Wanderung in den Reinhardswald in einem Rudel in Sachsen oder Polen

Der Wolf kommt aus dem Osten

Schon lange zu Gast im Reinhardswald: Der Wolf, der hier schon mindestens seit 2008 lebt, hat mehrere Hundert Kilometer aus Westpolen oder Sachsen zurückgelegt. Das haben Untersuchungen des Senckenberg-Instituts ergeben. Foto: dpa

Reinhardshagen / Wiesbaden. Der Wolf im Reinhardswald kommt aus dem Osten. Er stammt definitiv aus einem Rudel, das in Sachsen oder Westpolen lebt. Das hat eine genetische Untersuchung von Kotproben und einem Haarbüschel ergeben, die das Senckenberg-Institut in Gelnhausen im Auftrag des Umweltministeriums vornahm.

Die Forscher hatten die Proben mehrere Wochen lang untersucht und mit denen anderer Tiere verglichen. Seitdem ist nach Angaben von Christoph Zörb, Pressesprecher im Umweltministerium, sicher, dass der Wolf nicht aus einem Tierpark oder einem von Menschen angelegten Gehege ausgebrochen sein kann, sondern wild in einem Rudel gelebt haben muss. Wo exakt diese Tiergruppe lebt, stehe nicht fest. Bestätigt haben sich aber Vermutungen, dass der Wolf als Jungtier hunderte Kilometer von Ost nach West gewandert sein muss. Die Analyse habe außerdem eindeutig ergeben, dass das Tier männlich ist. Das Senckenberg-Institut untersucht genetisches Material von Wölfen und Luchsen aus Deutschland und dem benachbarten Ausland auf die Verwandtschaftsverhältnisse der Tiere zueinander. Ein Datenabgleich zeigt, woher die Wölfe und Luchse ungefähr kommen, welche Wanderungen sie absolvieren und ob in den kleinen Populationen die Gefahr von Inzucht besteht.

Wolf und Luchs sind sehr scheue Tierarten, die sich nur schwer beobachten lassen. Einzelne Haare sind oft der einzige Anhaltspunkt für ihr Vorkommen. Das untersuchte Haarbüschel war an einem Zaun gefunden worden, hinter dem der Wolf ein Schaf gerissen hatte.

Der Wolf aus dem Reinhardswald ist seit mindestens zwei Jahren in unserer Region. Er wurde im Mai 2008 von Jägern gesehen und fotografiert. Einzelne Hinweise auf ihn gab es bereits im Jahr 2006, verdichtet haben sie sich aber erst zwei Jahre später.

Karten geben Aufschluss

Das Tier lebt in dem 200 Quadratkilometer großen Waldgebiet zwischen Bad Karlshafen im Norden und Hann. Münden im Süden. Auch im niedersächsischen Bramwald ist er schon aufgetaucht. Zuletzt im Reinhardswald gesehen wurde er nach Angaben des Leiters des Forstamtes Reinhardshagen, Dr. Norbert Teuwsen, am vergangenen Dienstag. Jede Beobachtung des Tieres wird auf einer Karte eingetragen, um Aufschlüsse über die Wanderungen zu bekommen. Da sich das Tier im Reinhardswald wohlfühlt, ist es nach Einschätzung Teuwsens unwahrscheinlich, dass er weiterzieht. Wölfe wechselten nicht ohne Weiteres ihr Revier.

Nach Einschätzung von Forstexperten ist das Tier allein. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein weibliches Tier die lange Strecke mit ihm zusammen zurückgelegt haben könnte, ist sehr gering.

Spaziergänger im Wald müssen vor Wölfen keine Angst haben. Sie laufen normalerweise sofort weg, wenn ihnen Menschen begegnen.

Von Peter Klebe

Quelle: HNA

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