Im Prozess gegen Rechtsanwalt Wolski sorgt eine Familienfehde für Unterhaltung

Wolski-Prozess: Unter den Geschenken ein Ferrari Maranello

+
Honorar oder Geschenk aus Liebe?: Auch einen Ferrari Maranello bekam der Angeklagte Michael Wolski von Margit C.

Darmstadt. Der Gesichtsausdruck des Angeklagten ist starr wie immer. Zum Leben erwacht der Frankfurter Rechtsanwalt Michael Wolski (61) nur dann, wenn er glaubt, Zeugen als unglaubwürdig entlarven zu können.

Zum Beispiel die Eheleute P., Tochter und Schwiegersohn des reichen Frankfurter Immobilienpaars C., das Michael Wolski mit millionenschweren Zuwendungen überhäuft hat: einen Ferrari Maranello, eine Ferienwohnung auf Mallorca, eine Hausrenovierung und viel, viel Bargeld.

Glaubt man Wolski, der sich seit November wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 2,6 Millionen Euro vor dem Darmstädter Landgericht zu verantworten hat, dann haben ihm die Eheleute C. das Geld für seine Verdienste um das Immobilienimperium des 1998 erkrankten und 2006 verstorbenen Ignaz C. gezahlt.

Mit seiner Arbeit habe er sich derart überfordert, dass er über Jahre keine eigene Steuererklärung abgegeben hat - und auch keine für seine Frau, der Staatsgerichtshofrichterin Karin Wolski.

Die Familie P. dagegen, insbesondere der äußerst redselige Herr P., unterstellen Wolski, ein Verhältnis mit der fast 30 Jahre älteren Margit C. - das habe sie abhängig gemacht und zu immer neuen Geschenken geführt.

Die gegenseitigen Vorwürfe des Intrigantentums füllen Aktenordner. Wolski aber erinnert sich nur dann gut, wenn er anderen Vorwürfe machen kann. "Das ist schon fantastisch, wie Sie sich erinnern", schäumt Richter Rainer Buss regelmäßig.

Evelyn P., eine attraktive Erscheinung, der man ihre 63 Jahre nicht ansieht, zeigte sich am Dienstag "angewidert" von dem "privaten Kontakt" Wolskis zu ihrer Mutter: "Überhaupt, mit Ihnen in einem Raum zu sein, ist für mich ein unerträglicher Zustand", herrschte sie Wolski an, als der versuchte, ihr Privatleben zu zerpflücken.

Höchst amüsant aber fraglich, was all das mit dem Grundproblem des Gerichtes zu tun hat: Es muss entscheiden, ob Wolski hohe Umsatzsteuern hinterzogen hat oder niedrigere Schenkungssteuern. Letzteres klingt zwar besser für Wolski, könnte aber zur Folge haben, dass Evelyn P. die Geschenke zurückverlangen kann. Sie ist nämlich die Erbin.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

Kommentare